Blick auf Kompetenzen

08.04.2022
Zwei Pflegerinnen im Gespräch

Im Ausland ist für Pflegeberufe in der Regel ein Studium nötig. Foto: Fachbereich Pflege und Gesundheit

Das RIGL-Projekt IntIP entwickelt und erprobt mit regionalen Einrichtungen Konzepte für die Integration internationaler Pflegekräfte.

In Deutschland fehlen Pflegekräfte. Während die Menschen immer älter werden und mit zunehmendem Alter das Risiko schwerer Erkrankungen oder einer Pflegebedürftigkeit steigt, wird die Zahl der jungen und gesunden Menschen, die diese Arbeit übernehmen könnten, durch den demografischen Wandel immer kleiner. Schon jetzt besteht vielerorts ein Mangel an Pflegefachkräften, der sich allen Prognosen zufolge verstärken wird. Um diese Lücke zu füllen, werben Pflegeeinrichtungen im Ausland um Pflegekräfte.

Workshop an der Hochschule

Wie die Situation ganz konkret in der Region Fulda aussieht, untersucht das RIGL-Projekt „Integration internationaler Pflegekräfte in regionale Einrichtungen der Kranken- und Altenpflege“ (IntIP). Die Anwerbung von Pflegefachkräften aus dem Ausland wird dabei als eine ergänzende Strategie zur Fachkräftesicherung verstanden – neben der Erhöhung der Attraktivität der Pflegeberufe.

Nadja Noll ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt und hat im Frühjahr und Herbst vergangenen Jahres ein ressourcenorientiertes Kompetenztraining für brasilianische Pflegefachkräfte im Pflegelabor des Fachbereichs Pflege und Gesundheit begleitet. Während die Anpassungsmaßnahmen im Rahmen der Berufsanerkennung normalerweise über die Pflegeschulen laufen, war in diesem Fall zum ersten Mal die Hochschule involviert. „Durch das akademische Umfeld haben sich die Pflegekräfte am Campus sehr wohl gefühlt“, sagt Noll. Es konnte eine Brücke geschlagen werden zum deutschen Pflegesystem, das durch die nur optional akademisierte Ausbildung international eine Sonderstellung einnimmt. Im Ausland ist für Pflegeberufe ein Studium die Regel und später sind auch die Zuständigkeitsbereiche größer. Während in Deutschland etwa intravenöse Zugänge in der Regel von Ärzt*innen gelegt und nur in bestimmten Fällen delegiert werden, gehört diese Aufgabe in den meisten Staaten zum Kompetenzbereich der Pflegefachkräfte.

Wertschätzung signalisieren

Kommen Pflegekräfte aus Staaten wie Brasilien, Indien und Tunesien nach Deutschland, sind sie also eigentlich bereits sehr gut qualifiziert. Und die Forschungsarbeit im Projekt zeigt, dass ein ressourcenorientierter Blick bei der Anerkennung der Berufsausbildung sich positiv auf die Integration der Einwandernden auswirkt. Während bislang auf Basis eines Dokumentenvergleichs der Curricula und Zeugnisse geschaut wird, welche Bausteine den internationalen Pflegekräften verglichen mit der Pflegeausbildung in Deutschland fehlen, würde ein Blick auf das, was die Pflegekräfte mitbringen, Wertschätzung signalisieren und auch die Akzeptanz der Internationalen im Kreis der Kolleg*innen in den Betrieben fördern. 

Integration ist kein Selbstläufer

„Integration ist kein Selbstläufer“, sagt Noll. Der Prozess müsse strategisch angegangen werden – sonst gehen die Pflegekräfte vor allem aus ländlichen Regionen und Kleinstädten wie Fulda in größere Städte, in denen sie leichter Zugang in eine internationale Community bekommen, oder mittelfristig sogar ganz zurück ins Heimatland. Für die anwerbenden Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen ist dies der ungünstigste Fall: Die Anwerbung und das Verfahren zur Berufsanerkennung ist mit Aufwand und Kosten verbunden. Dass die Integration gelingt ist also nicht zuletzt ein wirtschaftlicher Faktor. 

Fachliche Inhalte mit Sprachtraining verknüpfen

Bei dem Workshop mit den brasilianischen Pflegekräften an der Hochschule wurden fachliche Inhalte mit einem Sprachtraining verknüpft, in dem es insbesondere um die Auseinandersetzung mit eingedeutschen Fachbegriffen und umgangssprachlich genutzten Begriffen auf den Stationen ging. Die Kursinhalte waren individuell auf die Gruppe zugeschnitten und die Teilnehmer*innen konnten durch die Laborsituation zu Themen wie Wundversorgung ihr Können und ihre Berufserfahrung zeigen. 

Möglichkeit zur Qualifizierung

Inwiefern die Hochschule künftig eine Rolle im Integrationsprozess internationaler Pflegekräfte in der Region spielen kann, ist noch offen. „Die Betriebliche Integration braucht Wissen und personelle Ausstattung“, sagt Noll. Potential für eine stärkere Vernetzung ist also vorhanden. Bislang wurde mit den Projektpartnern ein Leitfaden für ein Integrationskonzept entwickelt, der die Betriebe durch den Prozess von der Vorbereitung der Anwerbung bis zur Evaluierung und Zukunftsplanung der Personalsituation in der Pflege führt. 

Auch generell bieten die Studiengänge des Fachbereichs Möglichkeiten zur Qualifizierung und Weiterqualifizierung von internationalen Studieninteressierten: Aktuell sind etwa 130 Internationale in Studiengängen wie Pflege, Physiotherapie, Gesundheitsförderung und Hebammenkunde immatrikuliert. 
 

In Fulda studieren

Pflege und Gesundheit

Auch die grundständigen Studiengänge am Fachbereich Pflege und Gesundheit wie Pflege, Physiotherapie und Hebammenkunde stehen internationalen Studierenden offen. Das Anerkennungsverfahren für die Arbeit in einer lokalen Pflegeeinrichtung erübrigt sich dann. Für einen guten Übergang zwischen Schule im Ausland und Studium an der Hochschule Fulda gibt es die Vorbereitungsprogramme Pre-College und Pre-Study Fulda. Hier besuchen Sie Fachkurse in Ihrem Wunschstudiengang, bringen Ihre Deutschkenntnisse auf das erforderliche Niveau und absolvieren ein Praktikum in einem Unternehmen in der Region. 

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