Damit das Herz nicht stehen bleibt

13.12.2016
In einer Simulation werden die Studierenden an typische Situationen aus dem Pflege-Alltag herangeführt. Im geschützen Raum werden Sie mit Problemen und Stressituationen konfrontiert und müssen diese auf Grundlage ihres wissenschaftlichen Wissens eigenständig lösen.
Auch die Kommunikation der Pflegepersonen untereinander wird geübt.
Hygienischer Verbandwechsel einer Operationswunde am Simulator.
Die Aufklärung und Anleitung einer Patientin zur Vorbeugung einer Thrombose wird hier simuliert.
Anleitung eines Studenten zur Durchführung einer Blutentnahme.
Eine Pflegestudentin übt an einem Simulator das endotracheale Absaugen.
Auch die soziale Kompetenz spielt eine große Rolle, so dass die Kommunikation mit der zu pflegenden Person ebenfalls geübt wird.

Studierende am Fachbereich Pflege und Gesundheit werden in realitätsnahen Skillstrainings und Simulationen optimal auf das Berufsleben vorbereitet.

Wenn ein Patient mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Notaufnahme kommt, ist bei den Mitarbeitenden schnelles Handeln gefragt: Was mache ich als erstes? Wie versorge ich ihn bestmöglich? Wie gehe ich mit den Angehörigen um?

Pflegende stehen in ihrem Beruf oft vor neuen Herausforderungen und kritischen Situationen, die sie meistern müssen. Die Anforderungen an sie steigen und die Aufgaben werden komplexer – auch durch neue technische Möglichkeiten bei Diagnose und Therapie. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung der Fachkräfte ist daher unerlässlich, damit das Wohl des Patienten nicht gefährdet wird. Dies hat die Hochschule Fulda schon vor einiger Zeit erkannt und bereitet ihre Studierenden am Fachbereich Pflege und Gesundheit optimal auf das Berufsleben vor.

Simulation und Skillstraining

Neben der Vermittlung von wissenschaftlichen und theoretischen Inhalten lernen die Pflegenden von morgen auch die erforderlichen praktischen Anwendungen. Und dies nicht mal eben nebenbei – die praxisnahen Übungen sind fester Bestandteil ihres Studiums und führen dazu, die pflegerelevanten Kompetenzen systematisch entwickeln zu können. Denn in Skillstrainings und Simulationen, die in den hauseigenen Laboren stattfinden, werden sie mit genau solchen Situationen konfrontiert, die im späteren Berufsleben auf sie zukommen können. „In dieser in der Pflege noch recht jungen Ausbildungsart können sie ihr Wissen und die gelernten Fertigkeiten ganz praxisnah an lebensgroßen Simulatoren oder auch an Simulationspatienten selbst anwenden. Durch die moderne Ausstattung unserer Labore können wir ein ganzes Pflegeszenario darstellen und üben“, erklärt die Lehrende und Laboringenieurin Victoria Pfeffer.

Die Bezeichnung Labor ist hier aber ein wenig irreführend: Die Räume sehen nämlich aus wie ein richtiges Patienten- und Stationszimmer. Hier befinden sich neben dem typischen Mobiliar auch medizinische Geräte wie ein EKG-Gerät, Sauerstoffgerät oder Infusomat. Sogar eine Vase mit Blumen steht auf einem Nachttisch. Wir wollen die Situation so realitätsnah wie möglich darstellen. So können die Studierenden wirklich nachempfinden, was später auf sie zukommt und sich optimal darauf vorbereiten“, erklärt Frau Pfeffer. Sie hat selbst an der Hochschule Fulda Pflege studiert, ist examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und hat seit fünf Jahren ihren Masterabschluss in Gesundheits- und Pflegewissenschaft in der Tasche. Seit Juni 2012 organisiert und leitet sie die Laborübungen des Studiengangs Pflege an der Hochschule Fulda.

Doch was genau passiert eigentlich in einer Simulation? „Zunächst gibt es eine theoretische Lerneinheit, in welcher wir auf die Übung vorbereiten und das Fallbeispiel bekannt geben. Dann teilen wir die Studierenden in Kleingruppen ein. Meist führen ein oder zwei Personen die Übung durch“, beschreibt Pfeffer. In einem „Observer-Room“ beobachtet sie zusammen mit anderen Lehrenden die Szenerie, welche durch festinstallierte Videokameras aufgezeichnet und übertragen wird. „So sind die Studierenden ganz unter sich und werden nicht abgelenkt. Sollte es mal größere Schwierigkeiten geben, können wir natürlich jederzeit eingreifen – wir lassen niemanden scheitern . So wird auch kein Patient in der Simulation sterben.“ Denn das führe zu ungewollten Frustrationen oder negativen Erfahrungen. Ängste sollen hier schließlich abgebaut und nicht verstärkt werden.

Soziale Kompetenz

„Die Simulation basiert auf einem Drehbuch, welches wir vorher festgelegt haben. Die Patienten sind Simulatoren oder ‚Schauspieler‘, also für die Studierenden fremde Personen und spielen eine feste Rolle. Auch Ärzte, Stationsschwestern oder Angehörige können in der Übung auftreten“, erklärt Victoria Pfeffer. Hierdurch werden die Studierenden mit vielen verschiedenen Situationen konfrontiert und müssen neben den fachlichen Kompetenzen auch soziale und menschliche Ereignisse meistern.

Dies erfolgt alles in einer sicheren und geschützten Lernumgebung, wo auch Fehler gemacht werden dürfen. „Denn wenn sie hier in den Laboren passieren, können wir im Anschluss detailliert darüber reden. Und dann ist die Gefahr, dass sie später im Berufsleben noch einmal geschehen deutlich geringer. Simulationen und Skillstrainings dienen der Sicherheit unserer Patienten“, weiß auch Christine Loewenhardt, Praxisreferentin am Fachbereich Pflege und Gesundheit. Nach der Übung reflektieren die Studierenden gemeinsam mit den Lehrenden ihr Handeln. Hier werden Dinge, die nicht optimal gelaufen sind, angesprochen, analysiert und hinterfragt, Lösungswege gesucht oder sich einfach mal alles von der Seele geredet. Denn die Simulation ist sowohl psychisch als auch körperlich eine große Herausforderung.

Der Schwerpunkt der Simulation kann ganz unterschiedlich sein. Mal steht der kommunikative und soziale Aspekt im Fokus – dann wird zum Beispiel ein Aufnahmegespräch mit der zu pflegenden Person geübt. Oder die Beratung eines Patienten mit einer chronischen Wunde. Dann wiederum geht es um die Anwendung des Gelernten: Wie versorge ich die chronische Wunde? Wie bereite ich den Patienten medizinisch auf eine OP vor? Auch hier steht der gesamte Vorgang, die vollständige Handlung, im Vordergrund, das heißt von der Begrüßung des Patienten über die Behandlung bis hin zur Verabschiedung.

Kreative Problemlösung

Neben den Simulationen werden auch einzelne Pflegehandlungen geübt. Im sogenannten Skillstraining geht es um das Einstudieren und Trainieren von speziellen Fertigkeiten, die im späteren Berufsleben immer wieder ausgeübt werden müssen. Auch das Skillstraining wird im Studium immer komplexer. Beispielsweise werden das richtige Anlegen des Blutdruckmessgerätes, die Unterstützung beim An- und Auskleiden oder das Blutzuckermessen bei einem Diabetiker am Anfang des Studiums geübt. Ein systematisches Notfallassessment, sterile Wundverbände oder das Management einer chronischen Wunde ist in höheren Semestern Thema.

„Die Studierenden lernen durch die realitätsnahen Übungen, Fragen aus der Praxis mit wissenschaftlichen Methoden selbstständig zu beantworten und das dazu vorhandene Wissen praktisch anzuwenden. Auch sind sie in der Lage, nach dem Studium sicher, effizient und eigenverantwortlich zu handeln“, ist die Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin Christine Loewenhardt überzeugt, die sich auch in dem Netzwerk SimNAT Pflege für die Etablierung der Simulation in der Pflegeausbildung einsetzt.

Dadurch könnten sich auch für die Attraktivität des Pflegeberufs neue Chancen ergeben. „Viele unserer Absolventinnen und Absolventen arbeiten in der direkten Pflege am Bett. Und generell ist die Rückmeldung der einzelnen Häuser auf die akademische Pflegeausbildung sehr positiv“, berichtet Prof. Dr. Jan Keogh. Der Studiengangsleiter der Psychiatrischen Pflege ist überzeugt, dass dies vor allem an der guten praxisorientierten Ausbildung an der Hochschule Fulda liegt, die in dem Bereich der Simulation richtungsweisend in Deutschland sind. Hier arbeitet die Hochschule auch mit vielen Pflegeschulen zusammen. Denn sowohl in der klassischen Ausbildung als auch im Studium steht stets die bestmögliche Versorgung und die Sicherheit der zu pflegenden Person im Vordergrund.

In naher Zukunft soll zudem ein hochmodernes Simulationszentrum an der Hochschule entstehen, das dann sowohl von den Hebammen-, Physiotherapie- und Pflege-Studierenden genutzt werden kann. Die Räumlichkeiten sind schon gewählt, jetzt geht es an die Planung und Ausstattung. Voraussichtlich 2019 können dann alle Studiengänge am Fachbereich Pflege und Gesundheit interdisziplinär miteinander arbeiten.

SimNAT Pflege

Das Simulations-Netzwerk Ausbildung und Training in der Pflege (SimNAT Pflege) e.V. setzt sich unter anderem dafür ein, dass Skillstraining und Simulation in der Pflegeausbildung verstärkt eingesetzt und weiterentwickelt werden. Der Zusammenschluss von Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Hochschulen und Berufsfachschulen im Bereich Pflege dient dem Austausch von Erfahrungen zum Thema Simulation im deutschsprachigen Raum und soll ein gemeinsames Lernen ermöglichen. „Vor allem im internationalen Raum ist simulationsbasiertes Lernen seit vielen Jahren fester Bestandteil der Pflegeausbildung. Eines unserer Ziele ist es, dies auch in Deutschland bekannter zu machen. Denn mit Hilfe von Skillstraining und Simulation werden Auszubildende und Studierende optimal auf die klinische Praxis vorbereitet“, erklärt Christine Loewenhardt, Vorsitzende des Vereins. Das Netzwerk bietet hierfür regelmäßig Workshops und Fortbildungen an und ist auf zahlreichen Kongressen vertreten. Weitere Informationen gibt es unter www.simnat-pflege.net.

Kontakt Leitung

Prof. Dr.

Jan Johannes Keogh

Pflegewissenschaft - Theorien und Methoden der Pflege

Prof. Dr.Jan Johannes Keogh

Kontakt technische und organisatorische Leitung

Victoria Kreiss

Laboringenieurin Studiengang B. Sc. Pflege; Lehrkraft für besondere Aufgaben Studiengang Pflege

Gebäude 25 , Raum 004
Victoria Kreiss+49 661 9640-6071
Sprechzeiten
Nach Vereinbarung per E-Mail

Kontakt Praxisreferentin

Christine Loewenhardt

Praxisreferentin des Studiengangs Pflege

Gebäude 25 , Raum 006
Christine Loewenhardt+49 661 9640-628
Sprechzeiten
nach Vereinbarung
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