Der Krisenfall „Produktrückruf“ wurde greifbar nahe

14.11.2016
Dr. Eric Wagner stellte über 150 Gästen Fallstudien zum Produkthaftungsrecht vor. Foto: Maximilian Heil
Foto: Maximilian Heil
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Das Fuldaer Kolloquium zum Unternehmensrecht unter Leitung von Prof. Dr. Dominik Skauradszun konnte über 150 Gäste in der Hochschule Fulda willkommen heißen.

Unter den Gästen zum dritten Kolloquiumsabend in diesem Jahr am Dienstag, den 8.11.2016, waren der Präsident der Hochschule Prof. Dr. Khakzar, der Präsident des Landgerichts Dr. Müller, sowie Studierende verschiedener Fachbereiche und Vertreter hiesiger Unternehmen und Kanzleien.

Gemeinsam verfolgten diese eine Einführung in das Produkthaftungsrecht, verbunden mit einer Reihe aufschlussreicher Fallstudien – vorgetragen von Dr. Eric Wagner, der dieses Jahr gleich mehrfach ausgezeichnet wurde und von den Euromoney Expert Guides 2016 als "One of the world's leading practitioners in Product Liability" geführt wird.

Anhand realer Fälle wurde den Zuhörern an diesem Abend verdeutlicht, welche Bedeutung und Folgen die Themen Produktsicherheit und Produkthaftung für Unternehmen und vor allem für dessen Verantwortliche haben können. Neben behördlichem Produkt(sicherheits-)recht und der zivilrechtlichen Produzenten- und Produkthaftung nach § 823 BGB bzw. dem Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG), wurde an diesem Abend auch die strafrechtliche Produkthaftung näher betrachtet. Da in Deutschland das Individualstrafrecht gilt, sind die handelnden Mitarbeiter im Unternehmen persönlich strafrechtlich verantwortlich. Das kann etwa eine Abteilungsleiterin in der Produktion sein, die eine von einem Produkt ausgehende Gefahr entdeckt, aber nicht tätig wird.

Insbesondere die Ausführungen zur vorsorglichen Gefahrabwendung und Prävention, einer möglichen Schadenskompensation sowie potentielle Rückrufpflichten, welche nach herrschender Meinung im rechtswissenschaftlichen Schrifttum für die gesamte Lebensdauer des Produkts und damit ggf. noch für einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren bestehen können, boten für das Publikum in der anschließenden Diskussionsrunde reichlich Gesprächsbedarf. Besonders deutlich wurde an diesem Abend, dass nicht nur große Konzerne und bestimmte Branchen mit diesen Themen konfrontiert werden, sondern auch kleine produzierende Unternehmen, Importeure, die Produkte aus einem Drittland in den Europäischen Wirtschaftsraum einführen, und sogar Lieferanten, sofern der Hersteller nicht bekannt ist (§ 4 Abs. 2 ProdHaftG). Sie alle können nach dem Produkthaftungsgesetz haften und sollten daher mit diesem Thema vertraut und sich über mögliche Risiken bewusst sein.

Zu den Lösungsvorschlägen von Dr. Eric Wagner zählten dabei unter anderem, dass Unternehmen Rückrufmanagement-Systeme aufbauen, Inhouse-Schulungen zur „Risiko-Awareness“ durchführen und Gesamtstrategien für den Krisenfall vorbereiten sollten.

Bei dem anschließenden „Get-together“ mit Snacks und Getränken hatten die Gäste die Gelegenheit, persönlich mit Dr. Eric Wagner offene Fragen zu klären.

Das Fuldaer Kolloquium zum Unternehmensrecht wurde wieder vom Förderverein des Fachbereichs Wirtschaft sowie dem Fachbereich Wirtschaft unterstützt. Ferner erhielt das Team um Prof. Dr. Dominik Skauradszun erstmals Unterstützung von ehrenamtlichen Mitgliedern des Akademischen Börsenkreises Fulda e.V.

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