Die Reise des Papiers

10.07.2019

Eine Führung bei der Sappi Limited in Stockstadt für die dual Studierenden des 2. Semesters im Studiengang Logistikmanagement

Das Unternehmen Sappi Limited zählt weltweit zu den 10 größten Papierherstellern (aktuell Platz 7). Insbesondere die Niederlassung in Stockstadt ist mit 730 Mitarbeitern und etwa 450.000 Tonnen im Jahr der wichtigste Produktionsstadtort in Deutschland.

Im Rahmen des Kurses Industrie und Handel sollten die Studierenden Prozesse eines Industriebetriebes hautnah kennenlernen, dabei sollten sie im Rahmen ihrer Hausarbeit folgende Fragen beantworten:

Welchen logistischen Herausforderungen steht ein Unternehmen in der Industriebranche gegenüber und welche Prozessschritte sind notwendig, um Holz zu Papier zu verarbeiten?

Studiengangleiter Prof. Dr. Boris Zimmermann und Projektmanagerin Ilka Grein begleiteten die Gruppe durch die Produktionsstätte.

Auf 25 Rampen werden im Schnitt 1.900 Tonnen Papier auf Paletten in Lkw verladen und verlassen Stockstadt in Richtung Deutschland, Frankreich, Italien und Übersee. Der Exportanteil liegt bei über mehr als 70%. Das Besondere ist, dass die Produktionsstätte über eine werkseigene Stromversorgung verfügt, welche für die Energieerzeugung und Abwasserreinigung zuständig ist.

Die Studierenden wurden in entsprechende Sicherheitskleidung gekleidet, da die Sicherheitsanforderungen sehr hoch waren. Die Projektmanagerin Ilka Grein wies die Teilnehmenden ausführlich auf die Sicherheitsvorschriften hin.

Der Werksrundgang verlief parallel zu den Prozessschritten, d.h. die erste Station ist der Holzplatz mit der Einschneidanlage. In Stockstadt wird der wichtigste Rohstoff für die Herstellung von Papier, der Zellstoff, selbst produziert. Aus der Rhön, dem Spessart, dem Odenwald und dem Taunus werden täglich 70 Lkw mit Buchenholz angeliefert. Im Jahr werden circa 470.000 Festmeter Holz verarbeitet.

Angekommen auf dem Gelände der Fabrik durchläuft der Rohstoff zuerst die Einschneidanlage, in welcher das Holz entrindet und anschließend zerkleinert wird. Als Chips verarbeitet, wird das Holz zum nächsten Prozessschritt befördert. In sechs Kochern werden jeweils bis zu 125 Tonnen Hackschnitzel aufgenommen und circa 6 Stunden in einer sauren Chemikalienlösung gekocht. Anschließend werden weitere komplexe chemische Prozesse durchgeführt, bis am Ende der Zellstoff zur Verarbeitung vorliegt. Die Papiererzeugung beginnt mit dem Stoffauflauf, bei dem der Zellstoff gesiebt und entwässert wird. Faservlies wird der entwässerte Zellstoff genannt, welcher mehrere Walzenpaare durchquert. Dabei reduziert sich der Restwassergehalt auf etwa 50% und erhöht dadurch seine Festigkeit. In der Trockenpartie verdampft das restliche Wasser fast vollständig aus dem Papier.

Das fast fertige Produkt wird weiter gewalzt und geglättet, bis es schließlich zur Veredelung transportiert wird. Die Streichmaschine sorgt durch Aufbringen von bis zu zwei Pigmentschichten, dass das Papier eine glatte Oberfläche erhält – optimal zur Bedruckung. Das gestrichene Papier wird am Rollenschneider weiterverarbeitet, sodass in der sogenannten Ausrüstung das fertige Papier eingelagert werden kann.

Auf automatischen Förderbändern werden die Papierrollen in die Läger transportiert. Dem Unternehmen Sappi stehen hierfür circa 15.000 Tonnen Lagerkapazität zur Verfügung.  In der Einriesmaschine wird je nach Kundenwunsch das Papier zu Bögen geschnitten und auf Paletten gesetzt. Der Versandbereich bildete den Abschluss der Führung, denn ab hier verlässt das fertige Papier Stockstadt und wird in die ganze Welt versendet.

Nach ca. 2,5 Stunden war eine höchst interessante und spannende Führung zu Ende, im Laufe derer die Studierenden zahlreiche Fragen stellen konnten und viel nützliche Antworten erhielten.

Wir danken der Firma Sappi Limited und gerade auch Frau Ilka Grein für Ihre Zeit und die wertvollen Einblicke in Produktions- und Logistikprozesse!

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