Ein Impfstoff wird das Problem nicht lösen

21.07.2019

Prof. Dr. Dr. Jens Holst zum Ebola-Ausbruch im Kongo

In einem Interview in der Nachrichtensendung „DW Noticias“ des spanischsprachigen Programms der Deutschen Welle hat Prof. Dr. Dr. Jens Holst die vorrangige Bedeutung gesellschaftlicher Bedingungen für die Entstehung und Ausbreitung gefürchteter Epidemien wie Ebola betont. Der Arzt und Gesundheitswissenschaftler Holst, der die Professur für Medizin mit Schwerpunkt Global Health an der Hochschule innehat und den Bachelorstudiengang International Health Sciences leitet, war als Experte ins Berliner Studio der Deutschen Welle eingeladen, um eine fachliche Einschätzung des Ebola-Ausbruch im Kongo und der Ausrufung eines internationalen Notstands durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorzunehmen. Dabei begründete Prof. Holst die Maßnahme der WHO als sinnvoll und angemessen und verwies auf das sehr geringe, in der westlichen Presse regelmäßig überschätzte Risiko einer Ausweitung der Epidemie nach Europa und in andere Teile der Welt. Bei der Bewertung des erneuten Ebola-Ausbruchs, diesmal im östlichen Afrika, verwies er auf grundlegende gesundheitswissenschaftliche Erkenntnisse, die einen engen Zusammenhang zwischen den gesellschaftlichen Verhältnissen und Lebensbedingungen der Menschen auf der einen und bestimmten gesundheitlichen Risiken auf der anderen Seite belegen. Nicht nur die übliche Berichterstattung, auch die sichtbaren politischen Reaktionen in den wohlhabenderen Ländern der Welt und die gängigen Lösungsansätze zur Überwindung derartiger Epidemien greifen zu kurz, solange sich die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen nicht grundlegend verbessern. Das betroffene Gebiet ist seit jeher von Armut und Perspektivlosigkeit geprägt, es gibt kein funktionierendes Gesundheitswesen, der Staat ist kaum präsent und es bestehen große Governance-Defizite. Daran wird auch ein Ebola-Impfstoff nichts ändern, selbst wenn seine Wirksamkeit endgültig belegt und seine Verfügbarkeit gesichert ist. Entscheidend für die Vermeidung gefährlicher Epidemien ist die Überwindung der grundlegenden Bedingungen, die ihre Entstehung und Ausbreitung fördern

Das Interview mit Prof. Holst können Sie sich auf der Website der Deutschen Welle anschauen.

Interesse am Studiengang International Health Science? Informationen finden Sie hier in deutscher Sprache sowie in englischer Sprache.

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Jens Holst

Medizin mit Schwerpunkt Global Health

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Prof. Dr. Dr.Jens Holst+49 661 9640-6403
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