Studienprojekt Diätetik

23.02.2018
Foto: Aline Erfurt
von links nach rechts: Prof. Dr. Sigrid Hahn, Hande Gagali, Tamara Tolksdorf, Louisa Sutmar, Maximilian Hanf, Pia Kunzmann (es fehlt: Katja Behrens)

Ernährungstherapie als Unterstützung bei Diabetes, Nierenerkrankungen und Allergien

Ein Studienprojekt zeigt: Nur wenige Menschen kennen das Berufsbild "Diätassistenz".

Was wissen die Menschen über qualifizierte Ernährungsberatung und -therapie? Dieser Frage sind sechs Studierende des dualen Studiengangs Diätetik der Hochschule Fulda im Rahmen eines Studienprojekts nachgegangen. In Gießen, Marburg und Würzburg führten sie eine Befragung zum Berufsbild „Diätassistent/Diätassistentin“ durch. 64 Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren nahmen daran teil.

Ergebnis: Der Beruf der Diätassistenz ist weitestgehend unbekannt. Nur etwa die Hälfte der Befragten gab an, schon einmal von Diätassistentinnen bzw. -assistenten gehört zu haben, persönlichen Kontakt hatten lediglich 23 Prozent. Gefragt nach der Kernkompetenz der qualifizierten Ernährungsberaterinnen und -berater nannten die meisten Befragten die Gewichtsabnahme. „Die Wenigsten wissen offenbar, dass Diätassistentinnen und -assistenten kompetente Ansprechpartner insbesondere für die Ernährungstherapie bei Erkrankungen sind“, zieht Hande Gagali, die zum studentischen Projektteam gehörte, Bilanz. Ein ernüchterndes Ergebnis, finden die 22-jährige Studentin der Diätetik und ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen.

Möglicherweise hat das geringe Wissen um die Kompetenzen der Diätassistenz auch damit zu tun, dass der Begriff „Diät“ heute nicht mehr in seiner ursprünglichen Bedeutung verwendet wird, mutmaßen die Studierenden. „Früher bezeichnete er einen Lebensstil, der die körperliche und seelische Gesundheit des Menschen fördert. Heute verbinden wir damit vor allem Abnehmen, Verzicht, schlechte Laune“ erläutert die Projektgruppe. Erschwerend komme hinzu, dass die Bezeichnung  „Ernährungsberater/-in“ nicht gesetzlich geschützt sei. Das bedeutet: Auch ohne adäquate Qualifikation kann man als Ernährungsberaterin oder -berater arbeiteten. Als Diätassistentin und -assistent hingegen darf sich nur bezeichnen, wer nach einer dreijährigen Ausbildung an einer Schule ein staatliches Examen abgelegt hat.

Entsprechend umfangreich sind die Kompetenzen: Diätassistentinnen und -assistenten arbeiten nach ärztlicher Anweisung selbstständig und eigenverantwortlich - vor allem in Akutkrankenhäusern und Reha-Kliniken. Anders als Ernährungsberaterinnen und -berater haben sie Therapiekompetenz. Sie beschäftigen sich mit jenen Erkrankungen, die mit ernährungstherapeutischen Maßnahmen geheilt oder deren Therapie durch Ernährung unterstützt werden kann. Die Patientenfälle sind vielseitig. Sie reichen von alltäglichen Problemen bis hin zu schweren Krankheiten wie Krebs, Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen oder  Problemen des Verdauungstraktes. Eine ganz besondere Rolle spielen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien, da diese ausschließlich durch Ernährungstherapie behandelt werden können.

„Im Mittelpunkt einer qualifizierten Ernährungstherapie steht immer der Mensch mit seinen individuellen Gewohnheiten“, ergänzt Hande Gagali das Berufsbild um einen weiteren Aspekt. „Wie der Begriff „Diät“ in seiner ursprünglichen Bedeutung besagt, wollen wir den Menschen unterstützen, einen gesundheitsfördernden Lebensstil zu entwickeln. Zu diesem gehört natürlich zu allererst eine individuell angepasste Ernährungsweise, die langfristig im Alltag umgesetzt werden kann.“

Um die schulische Ausbildung mit wissenschaftlicher Kompetenz zu erweitern, bietet die Hochschule Fulda seit vier Jahren das Duale Studium „Diätetik“ an. Nach dem Examen zur staatlich geprüften Diätassistentin / Diätassistenten machen die Studierenden den Bachelor of Science Diätetik. „Durch die wissenschaftliche Ausbildung sind wir in der Lage neue Fragestellungen in der Diättherapie systematisch zu analysieren und wirksame Therapien zu entwickeln“, erklärt die Projektgruppe. „Wir lernen, die Wirksamkeit unseres Handelns systematisch zu überprüfen.“
 
Eine qualifizierte Ernährungsberatung mit anschließender Ernährungstherapie vermitteln der Verband der Diätassistenten oder die jeweiligen Krankenkassen. Für Fragen rund um den Beruf der Diätassistenz steht die Projektgruppe zur Verfügung unter: projektgruppe_diaetetik@web.de. 

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