Frauen in der Arbeitswelt 4.0

27.02.2019

Fachtagung beschäftigte sich mit Chancen und Risiken der Digitalisierung für die Erwerbstätigkeit von Frauen

Wie wirkt sich die Arbeitswelt 4.0 auf die Beschäftigung von Frauen aus? Wird es leichter werden, Vollzeit erwerbstätig zu sein? Oder wird es auch in der digitalisierten Welt schwierig bleiben, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen? Antworten auf diese Fragen suchten rund 90 Teilnehmer*innen aus Wissenschaft und Praxis (vor allem Unternehmen, Jobcentern und Kommunalverwaltungen) sowie Studierende der Hochschule Fulda am 14. Februar 2019 auf der Fachtagung „Frauen in der Arbeitswelt 4.0 – Chancen und Risiken für die Erwerbstätigkeit“. Dazu eingeladen hatte Frau Prof. Dr. Dagmar Preißing aus dem Fachbereich Wirtschaft als Vertreterin des Zentrums Gesellschaft und Nachhaltigkeit (CeSSt) der Hochschule Fulda. Aus gutem Grund: Denn was die neue Arbeitswelt für die Erwerbstätigkeit von Frauen bedeutet, wird in den öffentlichen Debatten bislang kaum thematisiert.

Und so beleuchteten zahlreiche Wissenschaftlerinnen aus der Hochschule Fulda und anderen Hochschulen das Thema von allen Seiten: Aus der rechtlichen Sicht, aus Sicht eines nachhaltigen Personalmanagements, aber auch aus technischer Sicht. Kann maschinelles Lernen Vorurteile verfestigen?, lautete etwa eine der Fragestellungen. Von der Hochschule Fulda waren mit dabei: Prof. Dr. Stefanie Deinert, Prof. Dr. Martine Herpers, Prof. Dr. Irina Kohler, Prof. Dr. Claudia Kreipl, Prof. Dr. Dagmar Preißing, Prof. Dr. Anja Thies.

Die wichtigsten Botschaften:

  • Je niedriger qualifiziert eine Tätigkeit ist, desto eher und schneller wird sie durch Maschinen ersetzt werden. Die Bedeutung lebenslangen Lernens, von Bildung und hoher Qualifizierung nimmt daher zu. Fest steht auch, dass in allen Berufsbildern zunehmend digitale Kompetenzen benötigen werden.

  • Kernmerkmal der künftigen Arbeit ist ihre Flexibilisierung im Hinblick auf Zeit und Ort durch Click- und Crowdworking. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch die Flexibilisierung der Arbeit 4.0 wird immer wieder als der große Vorteil für Frauen gepriesen. Deshalb ist auch davon auszugehen, dass der Frauenanteil an der mobilen Arbeit steigen wird. Aber: Der Auftraggeber gibt die Arbeitszeiten vor – und das kann auch am Wochenende sein.

  • Zudem bedeutet die Flexibilisierung eine unregelmäßige Vergütung, keine sozialen Sicherungssysteme und fehlende Planungssicherheit, da Click- und Crowdworke

(Solo-)Selbstständige sind. Die aktuellen Verdienstmöglichkeiten erscheinen ebenfalls prekär. Zudem wissen wir, dass bei Crowdworking Frauen ein um 44 Prozent geringeres Einkommen haben als Männer.

  • Maschinelles Lernen kann Vorurteile bezüglich der Geschlechter reproduzieren und so ungleiche gesellschaftliche Verhältnisse fortschreiben und sogar verstärken. Eine maschinell unterstützte Bewerberauswahl zum Beispiel ist damit nicht automatisch objektiver. 
  • Entscheidend ist der passende rechtliche Rahmen für die flexibilisierten neuen Arbeitsverhältnisse und -formen. Denn ohne ihn wird die prekäre Arbeit zunehmen. Der Rahmen des heutigen Arbeitsrechts passt noch nicht zu den Entwicklungen dieser neuen Entwicklungen. Der erhoffte Vorteil, durch die Digitalisierung Zugang zum Arbeitsmarkt zu bekommen und Beruf und Familie besser vereinbaren zu können, hebt sich in dem Moment auf, wenn man von seinem Job nicht mehr leben kann. Erst wenn wir Digitalisierung zur Verbesserung des sozialen Miteinanders einsetzen, ist sie wertschöpfend für uns als Gesellschaft.

Den Abschluss der Tagung bildete eine Poster-Award Preisverleihung. Studierende der Hochschule Fulda hatten Poster zum Thema „Frauen in der Arbeitswelt 4.0“ bei einer fachkundigen Jury eingereicht. Die drei besten Poster wurden auf der Tagung prämiert.

Die Gewinner sind

1. Platz: Julian Bolz, Thomas Kretzer, Carlos Kriegsmann, Philipp Kriegsmann und Frederik Reinker präsentierten ihr Siegerposter zum Thema „Die Führung im mittleren Management in der Arbeitswelt 4.0 – Männlich oder weiblich?“ dem Publikum.

2. Platz: Pia Barth, Darja Busch, Alessia Husfeldt, Anne-Marie Lewis, Sarah Menz
Thema: Island: Vorbild für Gleichberechtigung von Frauen und Männern

3. Platz: Anna Dörfler, Katharina Hahn, Tobias Paul, Stefanie Raab-Faber, Anna-Lena Reibold
Thema: Gender Pay Gap

Nachzulesen sind die Tagungsbeiträge in einem Sammelband, der gerade erschienen ist:

Dagmar Preißing (Hrsg.): Frauen in der Arbeitswelt 4.0. Chancen und Risiken für die Erwerbstätigkeit, Berlin/Boston: Walter de Gruyter 2019, ISBN 978-3-11-058581.0

Die Veranstaltung wurde von der Sparkasse Fulda unterstützt.

 

© Fotos: HS-Fulda - Nicole Dietzel

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