Für eine bessere Gesundheitsversorgung von Menschen mit geistiger und schwerer Mehrfachbehinderung

30.05.2022

Von links nach rechts: Lorena Wetzel (Projektmitarbeiterin BEta-Team, Hochschule Fulda), Natalie Steeb (Projektmitarbeiterin BEta-Team, Hochschule Fulda), Prof. Dr. Katharina Rathmann (Projektleitung/ Konsortialführung, Hochschule Fulda), Saskia Gollasch (Projektmitarbeiterin BEta-Team, Technische Universität Dortmund), PD Dr. Ute Karbach (Konsortialpartner, Technische Universität Dortmund/Universität zu Köln)

Austauschforum zum BEta-Projekt der Hochschule Fulda und Technischen Universität Dortmund/Universität zu Köln

Menschen mit geistiger und schwerer Mehrfachbehinderung haben hohe und komplexe Bedarfe in der Gesundheitsversorgung. Daher hat der Gesetzgeber 2015 den Weg für „Medizinische Zentren für Erwachsene mit Behinderung (MZEB)“ geebnet – mit dem Ziel, die Versorgungssituation zu verbessern. Wie verläuft der Etablierungsprozess der MZEB und welche Herausforderungen bestehen bei der medizinischen Versorgung in MZEB? Ein Forschungsprojekt der Hochschule Fulda und der Universität zu Köln analysiert den aktuellen Stand mit dem Ziel, noch bestehende Barrieren aufzudecken. Am 06. Mai 2022 wurden im Rahmen eines Austauschforums zum BEta-Projekt mögliche Handlungsempfehlungen und Optionen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung von Erwachsenen mit geistiger und schwerer Mehrfachbehinderung diskutiert.

Menschen mit geistiger und schwerer Mehrfachbehinderung stoßen häufig auf Barrieren bei der medizinischen Versorgung, zum Beispiel, weil Praxisräume nicht barrierefrei sind, es Schwierigkeiten in der Kommunikation mit dem medizinischen Personal gibt, zu wenig Zeit für die Versorgung vorhanden ist oder aufgrund der fehlenden Erfahrung der Behandler*innen mit dieser Patientengruppe. Mit § 119c SGB V hat der Gesetzgeber im Rahmen des Versorgungsstärkungsgesetzes im Jahr 2015 daher die Möglichkeit geschaffen, sogenannte „Medizinische Zentren für Erwachsene mit Behinderung“, kurz MZEB, zu etablieren. Diese sollen eine adäquate ambulante Gesundheitsversorgung der Bevölkerungsgruppe sicherstellen. 

„Unser Ziel ist es, potentielle Barrieren bei der Etablierung von MZEB und bei der medizinischen Versorgung in MZEB aufzudecken sowie mögliche Handlungsempfehlungen und Optionen zu geben, wie diese Barrieren abgebaut werden könnten“, berichtet Professorin Dr. Katharina Rathmann von der Hochschule Fulda (Konsortialführung). Gemeinsam mit Privatdozentin Dr. Ute Karbach (Universität zu Köln, Konsortialpartnerin) leitet Professorin Dr. Rathmann das Forschungsprojekt „BEta“ („Barrieren bei der Etablierung von und Versorgung in Medizinischen Zentren für Erwachsene mit Behinderung (MZEB): Eine bundesweite Studie nach dem Stakeholder-Ansatz“). Das Projekt wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert (Fördernummer: 01VSF19010) und durch einen Beirat aus Wissenschaft und Praxis während der gesamten Laufzeit von August 2020 bis Juli 2023 begleitet. Methodisch handelt es sich um eine Längsschnittstudie mit quantitativen und qualitativen Analysen. Mit einer Online-Befragung wurde der Etablierungsstand sowie strukturelle Merkmale von bestehenden und im Aufbau befindlichen MZEB in Deutschland erfasst. Mittels qualitativer Expert*innen- und Fokusgruppen-Interviews wurden außerdem potenzielle Barrieren bei der Etablierung sowie bei der medizinischen Versorgung in MZEB aus Sicht von Leistungspersonal in MZEB und verschiedenen Stakeholdern erhoben. Im Herbst 2022 startet eine Wiederholungsbefragung. Mit einer Online-Befragung werden erneut die strukturellen Merkmale MZEB-Landschaft erfasst. Ebenso werden die Forschenden die Barrieren bei der Etablierung und medizinischen Versorgung quantitativ erheben und ein weiteres Mal Interviews mit Leitungspersonen von MZEB zu Barrieren bei der Etablierung und medizinischen Versorgung im MZEB führen. „Auf diese Weise wollen wir im Etablierungsverlauf auftretende Schwierigkeiten aufzeigen“, so Professorin Dr. Rathmann.

Um die ersten Ergebnisse des BEta-Projektes zu analysieren, hat das Projektteam Vertreter*innen der Leistungserbringenden von MZEB, der Bundesarbeitsgemeinschaft MZEB, der Kassenärztlichen Vereinigungen, der Träger der freien Wohlfahrtspflege, der Fachverbände aus dem gesamten Bundesgebiet sowie die Beauftragten für Menschen mit Behinderung des Bundes und der Länder im Rahmen eines Austauschforums am 06. Mai 2022 an einen Tisch gebracht. „Gemeinsam haben wir Herausforderungen bei der Ermächtigung und Finanzierung von MZEB, dem Zugang zum MZEB, in der Medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung sowie zur Rolle und Zukunft von MZEB reflektiert, aktiv diskutiert und Möglichkeiten zum Abbau dieser Barrieren formuliert“ berichten die Projektverantwortlichen. Weiter führen Sie aus: „Wir sind zuversichtlich, dass wir mögliche Handlungsempfehlungen für die Politik, die Kostenträger und die Leistungserbringenden auf den Weg bringen und einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungssituation von Menschen mit Behinderung, zum Abbau von Barrieren bei der Gründung, der Zulassung und Finanzierung von MZEB leisten können“. Voraussetzung dafür sei, dass alle Interessenvertreter*innen weiterhin gemeinsam an diesen Zielen arbeiten. Darüber hinaus sei es auch wichtig, die Bekanntheit von MZEB zu steigern, Weiterbildungsangebote für Behandler*innen auf- und auszubauen und die Medizin stärker auf Menschen mit besonderen Bedarfen und Behinderung auszurichten. Nach Projektabschluss im Sommer 2023 werden die Ergebnisse veröffentlicht – auch in Leichter Sprache.

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