Gesund aufwachsen, Gesund leben und arbeiten, Gesund älter werden!

07.07.2016
Begrüßungsworte der Gastgeber Prof. Dr. Tanja Klenk und Prof. Dr. Stefan Greß.
Jens Hupfeld vom GKV-Spitzenverband.
Ralf Metzger von der AOK Hessen
Das Auditorium beteiligte sich rege an den Diskussionen.
Die abschließende Diskussionsrunde mit allen Beteiligten: Prof. Dr. Tanja Klenk, Thomas Altgeld, Jens Hupfeld, Prof. Dr. Beate Blättner, Ralf Metzger und Prof. Dr. Stefan Greß (v. l.).

Bei der Diskussionsveranstaltung der Arbeitsgruppe "Gesundheit und sozialstaatliche Infrastruktur" des FoSS diskutierten rund 70 Teilnehmende engagiert mit Gastgebern und Vortragenden.

 

Lebenswelten im Fokus der Prävention

Das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (PrävG) stand im Mittelpunkt der Diskussionsveranstaltung, zu der die Arbeitsgruppe Gesundheit und sozialstaatliche Infrastruktur des Forschungsverbunds für Sozialrecht und Sozialpolitik (FoSS) der Hochschule Fulda und der Universität Kassel Akteure aus Forschung und Praxis eingeladen hatte, um ihre unterschiedlichen Perspektiven zur Diskussion zu stellen.

Am 18.06.15 wurde das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz – PrävG) vom Bundestag verabschiedet. Die zentralen Inhalte des Präventionsgesetzes sind unter anderem die Stärkung der Prävention und der Gesundheitsförderung in Lebenswelten wie Kindertagesstätten, Schulen, Kommunen, Betrieben und Pflegeeinrichtungen sowie der Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung, inklusive einer engeren Vernetzung mit dem Arbeitsschutz und einem besseren Zugang auch für kleine und mittelständische Unternehmen. Weiterhin sind die Weiterentwicklung der Früherkennungsuntersuchungen und die Förderung des Impfwesens wesentliche Bestandteile des Gesetzes. Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass alle Maßnahmen und Leistungen von den Krankenkassen geschlechtergerecht ausgestaltet werden sollen. 2019 wird die Nationale Präventionskonferenz erstmals einen trägerübergreifenden Präventionsbericht vorlegen, der die bis dahin umgesetzten Bundes- und  Landesrahmengesetze resümieren soll.

Perspektiven auf das Gesetz aus Wissenschaft und Praxis

Nach der Begrüßung durch die Gastgeber Prof. Dr. Tanja Klenk von der Universität Kassel und Prof. Dr. Stefan Greß von der Hochschule Fulda eröffnete Jens Hupfeld vom GKV-Spitzenverband die Veranstaltung mit seinem Vortrag zu den Umsetzungsschritten der Nationalen Präventionsstrategie auf Ebene des Bundes. Beginnend mit einer Erläuterung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie einer Darstellung der beteiligten Akteure innerhalb des Präventionsgesetzes, verwies Hupfeld auf die drei großen Ziele, – „Gesund aufwachsen“, „Gesund leben und arbeiten“ sowie „Gesund älter werden“ – die in den Lebenswelten umgesetzt werden sollen, und zu deren Erreichung sowie zur Stärkung der Prävention in den Settings, das Präventionsgesetz einen großen Beitrag leistet.

Thomas Altgeld von der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V. gab daran anschließend einen Einblick in die Umsetzungsbedingungen des Präventionsgesetzes auf Landesebene und fragte dabei, ob mehr Geld im System Prävention automatisch besser mache. Altgeld machte darauf aufmerksam, dass Lebenswelten  immer noch häufig als Räume verstanden werden, die der Übermittlung von Botschaften über Prävention dienen und demonstrierte dies an ausgewählten Aktivitäten einzelner Krankenkassen. Um einem Settingansatz gerecht werden zu können, wären jedoch integrierte und individuelle Ansätze vor Ort notwendig.

Ralf Metzger von der AOK Hessen eröffnete den zweiten Teil der Diskussionsveranstaltung und stellte einleitend die Frage, ob die gesetzlichen Krankenkassen bei der Umsetzung des Präventionsgesetzes eher die Rolle des Zahlers oder des Gestalters einnehmen. Er verwies darauf, dass für die Versicherten der Preis der Leistung der entscheidende Wettbewerbsparameter sei, da der prospektive (gesundheitliche) Nutzen der Maßnahme nicht fassbar genug sei. Dementsprechend entstehe zwangsläufig ein Wettbewerb zwischen marketingorientierten Maßnahmen und präventionsorientierten Leistungen.

Aus der Perspektive von Public Health stellte Prof. Dr. Beate Blättner von der Hochschule Fulda die Frage zur Diskussion, wieviel Gesundheitsförderung das Präventionsgesetz überhaupt möglich macht. Beate Blättner argumentierte, dass das übergeordnete Ziel von Prävention - die gesundheitliche Chancengleichheit - eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein und kritisierte, dass dies mit dem aktuellen Präventionsgesetz noch nciht umfassend gelungen ist. Der Leitgedanke zeitgemäßer Präventionspolitik - health in all policies - ist noch nicht hinreichend verwirklicht.

Diskussionsrunde

Innerhalb einer abschließenden Diskussionsrunde zu den Chancen und Herausforderungen des Präventionsgesetzes stellten sich die Referentin und die Referenten den Fragen des Auditoriums und der Gastgeber. Abschließend forderte Prof. Dr. Stefan Greß die Vortragenden auf, Wünsche für Inhalte des ersten Präventionsberichts zu formulieren. Der Bericht soll demnach darlegen, dass Prävention und Gesundheitsförderung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe angesehen wird und in dem Berichtszeitraum eine Vielzahl guter Maßnahmen umgesetzt werden konnten, die neben einem großen Outcome auch eine Ressourceneffizienz aufweisen. Auch die Implementierung eines ergänzenden Gesetzes wäre unabdingbar, welches alle noch fehlenden odre unzureichenden Aspekte des jetztigen Gesetzes ausgleicht beziehungsweise modifiziert. Zudem sollten Empfehlungen über Ausgaben der Krankenkassen und die Weiterentwicklung des gesundheitlichen CHancengleichheit sowie einen Ausbeu der differenzierten Geschlechterperspektive im Präventionsbericht dargestellt werden. Ein übergeordneter Wunsch ist der nach Transparenz und einer wahrheitsgemäßen Ausrichtung, so dass auch Problematiken und missglückte Maßnahmen thematisiert werden sowie die genaue Benennung der Zielgruppen, die durch die Maßnahmen erreicht wurden.

Mit ca. 70 Teilnehmenden und regen Diskussionen zwischen den Gastgebern, den Vortragenden und der Zuhörerschaft konnte auch die zweite Diskussionsveranstaltung der Arbeitsgruppe Gesundheit und sozialstaatliche Infrastruktur im Jahr 2016 erneut ein aktuelles gesundheitspolitisches Thema aufgreifen und interdisziplinär beleuchten.

 

Hier erhalten Sie die Vortrags-Präsentationen der Referentin und der Referenten:

Jens Hupfeld, GKV-Spitzenverband: "Die Nationale Präventionsstrategie - Umsetzungsschritte auf Ebene des Bundes"

Thomas Altgeld, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V.: "Die Umsetzungsbedingungen des Präventionsgesetzes auf Landesebene - macht mehr Geld im System Prävention automatisch besser?"

Ralf Metzger, AOK Hessen: "Zahler oder Gestalter? Die Umsetzung des Präventionsgesetzes aus Sicht einer gesetzlichen Krankenkasse"

Prof. Dr. Beate Blättner, Hochschule Fulda: "Wieviel Gesundheitsförderung macht das Präventionsgesetz möglich? Kritische Bemerkungen aus der Perspektive von Public Health"

 

Kontakt Fulda

Prof. Dr.

Stefan Greß

Prodekan

Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie

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Prof. Dr.

Tanja Klenk

Professorin für Theorie und Empirie des Gesundheitswesens im Fachbereich 01 Humanwissenschaften der Universität Kassel

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Hier erhalten Sie den Flyer und das Programm zur Diskussionsveranstaltung.

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