Großer Erfolg für die Hochschule Fulda

15.06.2022
Evaluation des Promotionsrechts 2022

Freuen sich über die positive Evaluation: (v.l.) Prof. Dr. Arnd Steinmetz (Hochschule Darmstadt), Prof. Dr. Eva Waller (Hochschule RheinMain), Wissenschaftsministerin Angela Dorn, Prof. Dr. E.P. Dievernich (FRAUAS), Prof. Dr. Claudia Kreipl (Hochschule Fulda) und Prof. Dr. Matthias Willems (Technische Hochschule Mittelhessen). Foto: Jens Steingässer

Verleihung des Promotionsrechts 2016

Verleihung des Promotionsrechts 2016: Damals überreichte Boris Rhein als Wissenschaftsminister die Urkunde an Hochschulpräsident Professor Dr. Karim Khakzar. Foto: pressestelle@hmwk.hessen.de

Das Promotionsrecht ist von einer unabhängigen Kommission positiv evaluiert worden.

Es war ein in der deutschen Hochschul- und Wissenschaftslandschaft viel beachteter Schritt: Als erste Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) bundesweit erhielt die Hochschule Fulda 2016 vom damaligen hessischen Wissenschaftsminister und heutigen Ministerpräsidenten Boris Rhein das eigenständige Promotionsrecht. Verliehen wurde es hessischen HAWs seither für Fachrichtungen, in denen sie nachgewiesenermaßen besonders forschungsstark sind – allerdings zunächst zeitlich begrenzt. Im Auftrag des hessischen Wissenschaftsministeriums wurden nun die ersten vier in Hessen eingerichteten Promotionszentren an HAWs durch eine hochkarätig besetzte, unabhängige wissenschaftliche Kommission positiv begutachtet. Ein großer Erfolg für die Hochschule Fulda und ihre Pionierarbeit, denn zwei der vier Promotionszentren werden von ihr alleine betrieben, an den beiden anderen, hochschulübergreifenden Promotionszentren ist sie ebenfalls beteiligt.

Viele Augen im deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystem richteten sich gestern nach Wiesbaden, wo Wissenschaftsministerin Angela Dorn persönlich sowie der Vorsitzende der Kommission, Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft und ehemaliger Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), den Evaluationsbericht in einer eigens einberufenen Pressekonferenz vorstellten. Die Kommission kommt darin zu dem klaren und eindeutigen Ergebnis, dass die Hochschule Fulda und die anderen beteiligten hessischen HAWs das eigenständige Promotionsrecht für forschungsstarke Fachrichtungen erfolgreich ausgestaltet haben und in der Lage sind, das Promotionsrecht nach hohen Qualitätsstandards auszuüben. Eine wichtige Feststellung, denn: Das Promotionsrecht für die positiv evaluierten Zentren kann nun entfristet werden. Zur Qualitätssicherung sollen sie sich regelmäßigen Evaluationen unterziehen, wie sie im Wissenschaftsbetrieb gängige Praxis sind.

„Vorbild für andere Bundesländer"
„Das eigenständige Promotionsrecht für HAWs ist wichtig, weil es Lücken im Wissenschafts- und Wirtschaftssystem schließt. Es eröffnet individuelle Chancen für die Studierenden und gesellschaftliche Chancen durch die anwendungsorientierte Forschung, die es unterstützt. Denn wir brauchen die Forschung der HAWs für innovative, praxisnahe und interdisziplinäre Antworten auf wichtige Herausforderungen wie Klimawandel und Artensterben, globale Krisen und Kriege und die alle Lebensbereiche durchdringende Digitalisierung“, erklärte Wissenschaftsministerin Angela Dorn. „Hessen hat als erstes Bundesland seinen HAWs ein eigenständiges Promotionsrecht für forschungsstarke Fachrichtungen ermöglicht. Die Evaluation zeigt: Unser Modell ist erfolgreich und zu Recht Vorbild für andere Bundesländer. Und wir investieren auch finanziell in die Stärkung der Forschung an HAWs. So stellt das Land den fünf hessischen HAWs seit 2021 beträchtliche Mittel zur Verfügung, um einen wissenschaftlichen Mittelbau aufzubauen und insbesondere Qualifikationsstellen zu finanzieren. Die Mittel dafür wachsen jährlich auf, 2023 betragen sie 13 Millionen Euro pro Jahr. Ich danke Herrn Prof. Kleiner und der Evaluationskommission für den fundierten und differenzierten Bericht. Wir werden ihre wertvollen Empfehlungen umsetzen, die Fortentwicklung des Promotionsrechts an HAWs in Hessen regelmäßig überprüfen und es weiterentwickeln. Wir werden mit den HAWs nun in einen Prozess zur Umsetzung der Empfehlungen einsteigen und hierzu eine Arbeitsgruppe gründen.“

„Die Kommission konnte sich davon überzeugen, dass in den betrachteten Promotionszentren der hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften tragfähige Strukturen für die Betreuung qualitativ anspruchsvoller Promotionen aufgebaut wurden, und das in kürzester Zeit. Das ist eine beeindruckende Leistung“, fasst Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, Vorsitzender der Evaluationskommission, das Ergebnis zusammen. „Wir möchten das Land und seine HAWs ermutigen, nun die nächste Phase einzuleiten, die Promotionszentren als Orte der Forschung inhaltlich stärker zu profilieren und konzeptionell weiterzuentwickeln und dabei die Spezifika des Hochschultyps und den Ausgangspunkt der anwendungsorientierten Forschung in den Mittelpunkt zu stellen.“

Meilenstein in der Geschichte der Hochschule Fulda
Auch wenn das Gesamturteil der Gutachterkommission für ihn nicht ganz überraschend kam, ist es aus Sicht von Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar ein Meilenstein in der Geschichte der Hochschule Fulda, aber auch der HAWs in Hessen und in Deutschland insgesamt. Khakzar setzt sich als Sprecher der 118 in der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) organisierten HAWs seit Jahren für das Promotionsrecht an HAWs ein und verhandelte seinerzeit für die hessischen HAWs die Richtlinien für die Einführung in Hessen. „Dass die Hochschule Fulda bei den ersten vier nun evaluierten Promotionszentren so stark vertreten ist, dokumentiert die Forschungsstärke unserer Hochschule“, zeigt sich Khakzar hocherfreut. Das hessische Modell sei Vorbild für andere Bundesländer. So habe jüngst Sachsen-Anhalt praktisch identische Möglichkeiten geschaffen. In fast allen anderen Bundesländern werde an ähnlichen Umsetzungen gearbeitet.

Die Kommission hat in ihrem Evaluationsbericht eine Reihe von Empfehlungen ausgesprochen, die der zukünftigen Weiterentwicklung der Promotionszentren dienen sollen. So soll für jedes Promotionszentrum ein wissenschaftlicher Beirat eingerichtet werden, der zukünftige Entwicklungen des jeweiligen Zentrums konstruktiv-kritisch begleitet. Wie schon erwähnt, empfiehlt die Kommission außerdem, die Promotionszentren zur Qualitätssicherung alle sieben Jahre unabhängig evaluieren zu lassen, wie es für außeruniversitäre Forschungsinstitute und in großen Bund-Länder-Programmen gängige Praxis ist.

In Hessen gibt es derzeit sieben Promotionszentren zu unterschiedlichen Fachrichtungen, drei davon hochschulübergreifend. Evaluiert wurden neben den allgemeinen, durch das Land Hessen festgesetzten Bedingungen und Verfahren des Promotionsrechts jene Promotionszentren, die mindestens seit vier Jahren bestehen: Die Promotionszentren „Public Health“ und „Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Globalisierung, Europäische Integration, Interkulturalität/Fulda Graduate Center of Social Sciences“ an der Hochschule Fulda sowie die jeweils hochschulübergreifenden Zentren „Soziale Arbeit“ (Federführung: Hochschule RheinMain) und „Angewandte Informatik“ (Federführung: Hochschule Darmstadt).

Zum Evaluationsbericht

Mitglieder der Kommission waren neben Professor Kleiner: Prof. Dr. rer. nat. Christian Facchi (Forschungsprofessur für eingebettete und vernetzte Systeme und Leiter des Graduiertenzentrums der TH Ingolstadt), Prof. Dr. Anne Friedrichs (ehem. Präsidentin der Hochschule für Gesundheit, Bochum), Prof. Dr. rer. nat. Hans-Hennig von Grünberg (Professur für Wissens- und Technologietransfer an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät Universität Potsdam und ehem. Präsident der Hochschule Niederrhein), Prof. Dr. Stefan Hornbostel (ehem. Leiter der Abteilung Forschungssystem und Wirtschaftsdynamik des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, DZHW) sowie Prof. Dr. Andreas Vasilache (Professur für Sozialwissenschaftliche Europaforschung und Direktor des Centre for German and European Studies der Universität Bielefeld). Zusätzlich unterstützten je zwei Fachgutachtende pro Promotionszentrum die Kommission in ihrer Arbeit.

zurück