Beschlossene Sache

08.11.2019

Hebammenausbildung wird Studium

Am 8. November hat der Bundesrat dem vom Bundestag am 26. September beschlossenen „Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung und zur Änderung des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (Hebammenreformgesetz - HebRefG)“ zugestimmt. Damit ist die letzte Hürde genommen, das Gesetz wird am 1.1.2020 in Kraft treten. Nach einer Übergangsfrist bis 2022 wird für neu beginnende Ausbildungen das duale Studium die Form, in der künftig Hebammen ausgebildet werden. Dual bedeutet, dass die praktische Ausbildung in der Verantwortung der kooperierenden Kliniken liegt, die auch die außerklinische Ausbildung organisieren müssen, die Gesamtverantwortung aber in der Hand der Hochschulen. Das 6 bis 8-semestrige Studium enthält mindestens 2.200 Stunden praktische Ausbildung und 2.200 bis 2.400 Stunden Theorie, zu der auch der fachpraktische Unterricht im Skills-Lab gehört. Die Besonderheit: Obwohl es ein Studium ist, erhalten die Studierende eine Ausbildungsvergütung.

„Wir würden gerne bereits im Oktober 2020 mit dem neuen Studienkonzept beginnen, um sicherzustellen, dass die Studierende die Ausbildungsvergütung erhalten. Bis dahin kommt aber noch viel Arbeit auf uns zu. Im Moment wissen wir noch nicht mal, wie die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung aussehen wird, die das Bundesgesundheitsministerium erlassen wird. Wir kennen nur den Referentenentwurf.“ erläutert Prof. Dr. Beate Blättner, die Studiengangsleitung Hebammenkunde der Hochschule Fulda. „Wir müssen mit unserem Konzept durch sämtliche Gremien der Hochschule. Wir müssen mit den Kliniken passende Verträge schließen. Wir müssen den Studiengang akkreditieren lassen, wissen aber noch nicht mal, wer die zuständige Behörde im Land Hessen sein wird, die bei der Akkreditierung beteiligt sein muss. Es wäre hilfreich gewesen, die Bundesregierung hätte die Umsetzung der EU-Richtlinien nicht erst in der letzten Minute beschlossen, aber Hauptsache, es ist beschlossen.“

Mit der neuen gesetzlichen Regelung wird nunmehr auch in Deutschland eine EU-Regelung umgesetzt, die bis 2020 umgesetzt sein muss. Für die Umstellung der Ausbildung spricht inhaltlich, dass Hebammen angesichts ihrer hohen beruflichen Verantwortung auch die Chance haben müssen, sich auf dem neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu halten. Die Grundlagen dafür werden in einem Studium gelegt, wobei die praktische Ausbildung der künftigen Hebammen nicht zu kurz kommen darf. Die Hochschule Fulda hat seit 2012 Erfahrungen damit gesammelt, wie dies geht. Sie war bundesweit die zweite Hochschule, die die sog. Modellklausel genutzt hat, um einen primärqualifizierenden Studiengang anzubieten. „Wir haben die Zeit genutzt, um moderne Labore einzurichten, Zugang zu wirklich aktueller und hochwertiger Literatur zu bieten und erfahrende Lehrende einzustellen.“

Den bisherigen Hebammenschulen im Land Hessen will die Hochschule ein faires Angebot unterbreiten. Bis 2030 lässt das neue Gesetz zu, dass Hebammenschulen an der akademischen Ausbildung beteiligt werden, indem sie die Praxisbegleitung und den praktischen Unterricht für die Hochschule übernehmen. „Da arbeiten engagierte und erfahrende Hebammen, die inzwischen meist selbst einen Studienabschluss haben. Es wäre unsinnig, sie nicht in die neue Form der Ausbildung zu integrieren“ erklärt Prof. Blättner. „Wir sind bereit, mit Ihnen zusammenzuarbeiten und gemeinsam die Ausbildung von ausreichend jungen Hebammen für Hessen sicherzustellen.“ Hebammenschulen können bis 2022 neue Ausbildungsgänge beginnen. Eine solche Übergangsregelung ist sinnvoll, da gut ausgebildete Hebammen derzeit überall fehlen.

Informationen zum Studiengang

Prof. Dr.

Beate Blättner

Gesundheitsförderung

Gebäude 31 , Raum 103
Prof. Dr.Beate Blättner+49 661 9640-603
Sprechzeiten
Dienstag, 11:00 – 12:00 Uhr u. n. Vereinbarung
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