IFK-Wissenschaftspreis für Dozent der Hochschule Fulda

18.12.2017
IFK-Wissenschaftspreis für Dozent der Hochschule Fulda
Mirko Koster (Mitte) mit der IFK-Vorsitzenden Ute Repschläger (rechts) und dem stellvertretenden Vorsitzenden Rick de Vries (links). Foto: IFK

Wie stark profitieren Herzkranke von gezieltem Training? Mit dieser Frage hat sich Mirko Koster beschäftigt ─ und ist zu beachtenswerten Ergebnissen gekommen.

In seiner Bachelorarbeit untersuchte der Physiotherapeut 26 Studien mit einer Gesamtzahl von 1.247 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Das Thema der Metaanalyse lautete: „Trainingsinduzierte Effekte auf die autonome Herzfunktion“. Unter der autonomen Herzfunktion versteht man die Fähigkeit des Herzens, sich an unterschiedliche Belastungen anzupassen. Sie ist deshalb ein Indikator für die Herzgesundheit. Dass sich geeignetes Training positiv auf den Zustand von Herzkranken auswirkt, war klar, sagt Koster. „Unklar war aber, in welchem Ausmaß."

Im Rahmen seiner Arbeit zeigte sich, dass Herzpatientinnen und -patienten diese Regulationsfähigkeit durch Ausdauer- und Krafttraining in beachtlichem Maß verbessern können. „Besonders stark ist der Effekt bei Personen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben", sagt Koster. Ihre autonome Herzfunktion profitiert bis zu fünfmal so stark wie die von Patientinnen und Patienten mit anderen Herzerkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz).

Herzinfarkt-Patienten profitieren am stärksten vom Training
Zu seinem Thema kam Koster über den Herzsport: Seit seinem ersten Studienabschluss in Sportwissenschaften vor 20 Jahren bildet er Übungsleiterinnen und -leiter von ambulanten Herzsport-Gruppen aus. „Wenn Patienten eine kardiologische Reha-Maßnahme abgeschlossen haben, bekommen sie ein Angebot für eine solche Sportgruppe“, sagt der 46-Jährige. „Doch Untersuchungen zeigen, dass nur 30 Prozent diese Angebote nutzen." Der praktische Nutzen seiner Arbeit lag für ihn darin, die Betroffenen besser dazu motivieren zu können, dass sie mit dem Sport weitermachen.

Seine eigene Motivationskurve hat Mirko Koster bestens im Griff ─ das hat er mit seiner Bachelorarbeit gleich doppelt bewiesen. Mit dem berufsbegleitenden Studium war er nämlich bereits 2009 fertig, allein die Bachelorarbeit stand noch aus. Doch durch den Beruf (zusammen mit seiner Frau eröffnete er eine Praxis) und die Familie (seine beiden Kinder wurden geboren) war er so eingespannt, dass dafür keine Zeit blieb. Vergangenes Jahr war es dann soweit: „Ich dachte mir, jetzt machst du endlich mal deinen Bachelor-Abschluss", erzählt Koster. 

Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) e. V. hat seine Arbeit mit dem 1. Preis in der Kategorie „Literatur- und Übersichtsarbeiten/Konzeptentwicklung" ausgezeichnet.

Brücke zwischen praktischer Arbeit und Lehre
Vorgeschlagen für den Preis wurde die Arbeit von der Hochschule Fulda. Hier lehrt er seit 2013 als Dozent im Studiengang „Physiotherapie". Durch die Tätigkeit an der Hochschule hat er eine Brücke geschaffen zwischen der Arbeit mit Patientinnen und Patienten und der Lehre. „Das gefällt mir sehr gut“, sagt Koster. „So kann ich mein Wissen weitergeben.“ Er ist außerdem zuversichtlich, dass die Erkenntnisse aus seiner Bachelorthesis auch in die Ausbildung von Übungsleiterinnen und -leitern einfließen ─ und so noch mehr Menschen zu Gute kommen.

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