In Fulda geforscht, in London promoviert

22.08.2017

Dr. Rainer Blum inmitten „seiner“ Avatare
Foto: © Hochschule Fulda

Rainer Blum promovierte an der Brunel University London zum Thema Avatare als virtuelle Stellvertreter von Kunden im Online Shopping.

Rainer Blum, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kompetenzzentrum für Mensch-Computer-Interaktion (KMCI) und im Fachbereich Angewandte Informatik hat erfolgreich sein Promotionsverfahren an der Brunel University London abgeschlossen.

Rainer Blum hatte nach dem Diplomstudium der Angewandten Informatik zunächst nebenberuflich den Master of Science in Electronic Business am Fachbereich Angewandte Informatik absolviert. Nach Tätigkeiten in der freien Wirtschaft wechselte er als Mitarbeiter zurück an die Hochschule Fulda, um dort Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu bearbeiten und das zwischenzeitlich gegründete Kompetenzzentrum für Mensch-Computer-Interaktion (KMCI) mit aufzubauen. Parallel dazu entschied er sich für ein Promotionsvorhaben am College of Engineering, Design and Physical Sciences der Brunel University London, im dortigen Department of Computer Science. Nach erfolgreicher Verteidigung seiner wissenschaftlichen Arbeit verlieh die Brunel University Rainer Blum nun kürzlich den Doktortitel „Doctor of Philosophy“, kurz Ph.D.

Als externer Doktorand wurde Rainer Blum an der Brunel University von Dr. Malcolm Clarke betreut. Seine Forschungsarbeiten führte er jedoch an der Hochschule Fulda als Mitglied der Arbeitsgruppe Mensch-Computer-Interaktion am Fachbereich Angewandte Informatik bzw. am KMCI durch. Diese Arbeitsgruppe nahm ihre Anfänge unter dem heutigen Präsidenten Prof. Dr. Karim Khakzar und wird seit einigen Jahren von Prof. Dr. Birgit Bomsdorf geleitet.

Der Titel der Dissertation von Rainer Blum lautet „Investigation of the Design of Personal Avatars for Virtual Try-on in E-Commerce“. Er beschreibt darin seine Studien zu Einstellungen und Präferenzen von Kunden beim Online-Shopping von Bekleidung. Sein Interesse galt dabei der visuellen Gestaltung von sogenannten Avataren, die als Stellvertreter der Kunden in der virtuellen Welt fungieren. Das Promotionsvorhaben war thematisch im Kontext von aufeinander aufbauenden Forschungs- und Entwicklungsprojekten der Hochschule Fulda angesiedelt, die auf die Realisierung und Erprobung einer virtuellen Anprobe von Bekleidung in Geschäften und in Online Shops abzielten. Neben den herausfordernden technischen Aspekten spielte dabei auch die Gebrauchstauglichkeit solcher Systeme für Kunden und Shopbetreiber sowie die Akzeptanz der Avatare beim Kunden eine wichtige Rolle. Für eine zwar virtuelle (d.h. computergenerierte) aber für den Kunden aussagekräftige Online-Anprobe von Bekleidung scheint es nahezuliegen, mit möglichst realistischen, detailgetreuen, individuellen Avataren zu arbeiten. „Ob Kunden Avatare als ihr digitales Ebenbild tatsächlich in dieser Qualität benötigen oder es womöglich sogar Vorbehalte gibt, dazu haben Wissenschaftler widersprüchliche Erkenntnisse veröffentlicht.“, erklärt Dr. Rainer Blum. Seine Ergebnisse belegen, dass eine in allen Belangen detailgetreue Darstellung bei den individuellen Avataren nicht erforderlich und häufig auch nicht gewünscht ist. „Die Gefahr der Ablehnung durch Kunden lässt sich vermeiden, wenn nur bestimmte Aspekte, wie die Körpermaße genau widergegeben und andere Eigenschaften, wie zum Beispiel die Haare, lediglich auf Basis allgemeiner Vorlagen dargestellt werden.“, so Dr. Rainer Blum, „Unnötiger technischer Aufwand kann auf diese Weise vermieden werden.“

Die Arbeit von Hr. Blum beinhaltet u.a. auch konkrete Gestaltungsempfehlungen für Designer, Entwickler und Manager von Online Shops, die Avatare einsetzen. Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit lassen sich dabei auf unterschiedliche Produktgruppen übertragen. Nicht zuletzt stellen sie ein weiteres Puzzleteil in der Erforschung unserer Reaktionen auf Avatare in der virtuellen Welt dar, ein Thema, dass aufgrund der rasanten Entwicklung im Bereich Virtual und Augmented Reality zukünftig weiter an Relevanz gewinnen wird.

Kontakt

Dr.

Rainer Blum

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Forschungsprojekt inBEF, ProGesture

Gebäude 43 , Raum 003
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