Interview - Dual studieren in Zeiten von Corona!

30.09.2020

In diesem Interview schildert Simon Schwert, aktiver dualer Student am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Hochschule Fulda, seine Erfahrungen im dualen Studium seit Beginn der Corona-Krise. Viel Spaß beim Lesen.

 

Name:Simon SchwertStudiengang:Wirtschaftsingenieurwesen
Firma:AEM August Elektrotechnik
GmbH

Zeitraum des
Studiums:

Ab Oktober 2019
Datum:30.09.2020  

Das Interview wurde per Webcall-Aufgezeichnet und im Nachgang gemeinsam mit dem Interviewten anhand der Aufzeichnungen verschriftlicht und überarbeitet.

Warum hast du dich für ein duales Studium entschieden?

Ich hatte schon seit Beginn der Oberstufe ein duales Studium im Auge, weil ich mich sowohl für eine praktische Ausbildung und den damit verbundenen Start in die Arbeitswelt, als auch für ein Studium interessiert habe. 

Warum hast du dich für deinen Studiengang entschieden?

Ich habe mich für den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen entschieden, weil ich unsicher war welches Fachgebiet (Wirtschaft oder Ingenieurwesen) mich letztendlich mehr reizt. Ich wollte mir dadurch mehr Möglichkeiten offenhalten. Eine Spezialisierung kann ich so später durch die Vertiefungen im Bachelorstudium oder mittels eines Masterstudiums erlangen.

Wieso hast du dich für die Hochschule Fulda entschieden?

Die Hochschule Fulda hat sich ergeben, da ich aus der Region komme und mein Arbeitgeber, bei dem ich mich für das duale Studium beworben habe, ein Kooperationspartner für das duale Studium der Hochschule Fulda ist.

Was gefällt dir am dualen Studium im Allgemeinen besonders?

Ich bin an der Hochschule während dem Semester ein normaler Student, habe aber in den Semesterferien die Gelegenheit, in einem für das Studium relevanten Bereich praktische Erfahrung zu sammeln. Die Kombination aus Theorie und Praxis ist also der entscheidende Vorteil.

Wie lässt sich das Studium mit den Praxisphasen verbinden? Wie hoch ist das Stresslevel?

Während dem Semester kann ich mich komplett auf mein Studium konzentrieren, es gibt keine Doppelbelastung.

Klar – Während den Semesterferien arbeite ich in meinem Unternehmen und habe so weniger Freizeit als reguläre Studenten. Arbeiten müsste ich unter Umständen jedoch in den Semesterferien sowieso, um Geld für das Studium zu verdienen. So kann ich hingegen sicher sein, auch direkt relevante Tätigkeiten für einen angehenden Ingenieur an der Arbeit durchzuführen.

Was gefällt dir an deinen Praxisphasen besonders gefallen?

Ich lerne potenzielle zukünftige Arbeitsplätze bzw. Tätigkeiten kennen und kann so einschätzen, was mir gut und was mir nicht so gut gefallen würde. Darüber hinaus tut es gut, das eine oder andere in der Praxis zu sehen, was man im Studium bisher nur theoretisch gelernt hat. Diese Erfahrungen kann man bei einmaligen Praktika nicht sammeln.

Wie gut hast du dich vor Corona bei deinem Arbeitgeber und an der Hochschule integriert gefühlt?

Die Integration an der Hochschule fand ich von Anfang an super. Dadurch, dass von meinem Unternehmen mehrere duale Studenten in Fulda sind, waren wir schon mal eine kleine Gruppe, die sich dann auch noch erweitert hat. Der Dual-Treff war eine Möglichkeit zur Zusammenkunft für alle dualen Studenten der HS Fulda.

Inwiefern hat(te) Corona einen Einfluss auf deinen Arbeitsalltag in deinem dualen Studium an der Hochschule und bei deinem Praxispartner?

Als der Lockdown Mitte März verkündet wurde, wurden wir von Seiten der Firma direkt ins Homeoffice geschickt. Von dort haben wir dann auch gearbeitet, bis der strikte Lockdown vorbei war. Zu diesem Zeitpunkt war die Praxisphase aber schon beendet, da die Theoriephase Mitte April wieder losging.

Wie hat sich der Kontakt zu deinen Kommilitonen an der Hochschule und Kollegen an der Arbeit durch Corona verändert? (Hat sich dein Integrationsgefühl geändert?)

Mit meinem Arbeitgeber und meinen Kollegen blieb der Kontakt nach wie vor gut. Klar, man ist sich nicht mehr so viel physisch begegnet, aber der Austausch lief natürlich weiter, da auch die Projekte und Tätigkeiten in der Firma weiter gehen mussten.

Das Studium, besonders der Kontakt zu Kommilitonen, hat sich dagegen durch den Wegfall der Vorlesungen schon ziemlich verändert. Der Austausch mit anderen Studierenden gestaltete sich deutlich schwieriger.

Wie verlief die Umstellung aufs Homeoffice (und Online-Vorlesungen) zu Beginn dieser Ausnahmesituation für dich?

In meinem Unternehmen verlief die Umstellung nahezu reibungslos. Wir hatten vorher schon Microsoft Teams implementiert und aktiv damit gearbeitet. Das hat die Umstellung aufs Homeoffice wesentlich erleichtert. Ich konnte bereits am ersten Tag des Lockdowns in meinen Projekten weiterarbeiten.

Ich habe Aufgaben von meinem Betreuer bekommen und diese mit ihm regelmäßig per Telefonkonferenz abgesprochen. So wurde es nicht langweilig im Homeoffice.

Als die Praxisphase im April vorbei war und die Vorlesungen wieder gestartet sind, musste sich da natürlich erst mal alles ein wenig einpendeln, was mal besser und mal schlechter lief. Die Dozenten mussten sich überlegen, wie sie ihren Stoff weiter vermitteln wollen (Online Vorlesung, Selbststudium etc.) und dann im laufenden Betrieb evaluieren, ob ihre Vorgehensweise funktioniert oder nicht. Das war schon eine große Umstellung.

Wie hat sich der Alltag in deinem dualen Studium (sowohl studientechnisch als auch arbeitstechnisch) Heute im Vergleich zur Hochphase von Corona eingependelt?

Studientechnisch ist durch Corona wesentlich mehr Eigeninitiative erfordert als vorher, was anstrengend ist. Man muss sich jeden Morgen neu überlegen, was und wie viel man heute machen will.

Vor Corona haben die Präsenzveranstaltungen an der Hochschule einem das zum Teil abgenommen, man konnte sich die Vorlesung anhören, diese zusammenfassen und musste sich dann nur noch überlegen was nicht klar ist und das dann nochmal wiederholen.

In der Praxisphase ab August war die Arbeit nicht mehr wirklich von Corona betroffen, der Betrieb lief soweit relativ normal und ich war froh, mal wieder an der Arbeit und nicht mehr nur im Fernstudium zu Hause zu sein.

Verliert das duale Studium deiner Meinung nach an Wert durch Corona? Wenn ja, inwiefern?

Ich persönlich finde, dass das duale Studium auch trotz Corona wertvoll ist, da wir in den Praxisphasen mit jedem Tag Arbeit mehr Erfahrung sammeln, von denen man später im Beruf profitieren kann.

Ein reines Studium ohne Praxisphasen wäre mit der aktuellen Situation im Moment glaube ich nichts für mich, da es meiner Meinung nach schon etwas vom Lernen vor Ort auf dem Campus lebt, mit allem was dazu gehört.

Derzeit gilt für mich: Je länger die Praxisphase im Unternehmen, desto höher der Wert des dualen Studiums.

Wie hat sich deine subjektive Leistungsfähigkeit und Motivation durch die Situation verändert?

Das viele zu Hause Sitzen schlägt schon etwas auf die Motivation. Man muss sich jeden Tag aufs Neue selbst motivieren, da man keine Uhrzeit hat, zu der man irgendwo sein muss. Auf Dauer ist das belastend. Auch habe ich das Gefühl, dass ich in mehr aufgewendeter Zeit weniger lerne, als wenn ich an der Hochschule bin, da für mich der Austausch mit Kommilitonen wichtig ist.

In der Praxisphase war ich wieder im Büro, da fällt es mir leicht motiviert zu bleiben.

Würdest du das duale Studium weiterempfehlen? Falls ja, für wen eignet es sich deiner Meinung nach besonders?

Ja, auf jeden Fall. Am Anfang dachte ich, dass das duale Studium im 3-Monatswechsel zwischen Arbeit und Hochschule abläuft. Im Nachhinein bin ich aber sehr zufrieden damit, in den regulären Studiengang integriert zu sein, die gleichen Kurse wie die anderen Studenten zu besuchen und in den Ferien die Möglichkeit zu haben, praktische Erfahrung zu sammeln.

Geeignet ist das duale Studium meiner Meinung nach für Leute, die sich nicht regelmäßig Gedanken um neue Praktika, Werkstudentenstellen oder Nebenjobs machen möchten, sondern zielorientiert praktische Erfahrungen für den späteren Berufsalltag sammeln möchten. Durch das regelmäßige Einkommen und die festgelegten Praxisphasen hat man eine super Planbarkeit, was wirklich angenehm ist. Kurz gesagt: Das duale Studienmodell ist für diejenigen geeignet, die ein eher theoretisches Hochschulstudium mit betrieblicher Praxis vereinen wollen.

Falls Ja, würdest du das duale Studium auch in Corona-Zeiten als empfehlenswert bezeichnen?

Ich würde das duale Studium auch in Zeiten von Corona empfehlen!

Die Praxisphasen machen finde ich den entscheidenden Unterschied. Eine sichere Stelle im Unternehmen ist für Studenten zurzeit nicht selbstverständlich!

 

Simon - Vielen Dank für das Interview und die Eindrücke aus deinem dualen Studium in diesem verrückten Jahr!
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