Ist das Nipah-Virus aktuell das wichtigste Gesundheitsproblem Indiens?

13.06.2018
Quelle: Hochschule Fulda/Kevin Dadaczynski.

Der Studiengang Internationale Gesundheitswissenschaften analysiert und diskutiert diese und andere Fragen globaler Gesundheit.

Der Ausbruch des gefährlichen Nipah-Virus in Südindien hat innerhalb weniger Tage mindestens elf Menschenleben gefordert. Die Berichterstattung konzentriert sich auf einzelne Schicksale, die Übertragung sowie die Forderung nach wirksamer Behandlung und Impfung. Wie bei der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika, der Verbreitung des Zika-Virus 2015 in Brasilien oder dem aktuellen Ebola-Ausbruch in Kongo wecken die Nipah-Fälle den Ruf nach mehr Gesundheitssicherheit. Bessere Vorbereitung auf unvorhersehbare Epidemien ansteckender Krankheiten ist auch für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein zentrales Thema.

Nur selten ist davon die Rede, dass Ausbrüche gefährlicher Krankheiten fast immer arme, unterprivilegierte und ungebildete Bevölkerungsgruppen am stärksten treffen - abgesehen vielleicht von der HIV/AIDS-Epidemie - und besonders in armen Entwicklungsländern mit schwachen Gesundheitssystemen zuschlagen. Kaum jemand weiß, dass in der Zeit des Ebola-Ausbruchs in Westafrika in den drei betroffenen Ländern jeden Tag mehr Menschen an Tuberkulose als an Ebola starben“ erklärt Dr. Dr. Jens Holst, Vertretungsprofessur für Medizin mit Schwerpunkt Global Health und erfahrener Berater für Gesundheitsversorgung und -finanzierung weltweit. „Die viel größere Katastrophe ist, dass immer noch sehr viele Menschen auf dieser Erde unter Erkrankungen leiden oder daran versterben, die man für wenig Geld heilen kann.“

Das eigentliche Drama bleibt meist verborgen. Nicht neue „Killerviren“ sind das größte Problem für die weltweite Gesundheit, sondern prinzipiell heilbare Krankheiten wie Malaria und die klassische Armutskrankheit Tuberkulose. Die ließen sich durch bessere Verteilung des Wohlstands vermeiden und mit vergleichsweise geringen Mitteln behandeln, vorausgesetzt die Menschen haben Zugang zu medizinischer Versorgung. Das chronisch unterfinanzierte öffentliche Gesundheitssystem in Indien erfüllt diese Aufgabe nur unzureichend.

Über das bisher extrem selten aufgetretene Nipah-Virus weiß man bisher praktisch nichts: Die Ausbreitung ist weitgehend unbekannt, die Sterblichkeit ist bislang nicht einzuschätzen. Was man sehr wohl weiß: Herzkreislauferkrankungen und Krebs stehen praktisch überall auf der Welt an der ersten Stelle der Todesursachen. Auch sie hängen in entscheidendem Maße von den Lebensbedingungen der Menschen ab und treffen die Menschen am härtesten, denen nur geringe Ressourcen in Form von Einkommen, Bildung, Lebens- und Arbeitsbedingungen und Selbstbestimmung zur Verfügung stehen. Den globalen Herausforderungen im Bereich der Gesundheit werden die vorrangig technologischen Lösungen, wie man sie im Zusammenhang mit dem Nipah-Virus erneut fordert, nicht ansatzweise gerecht.

„Für die Verbesserung der Gesundheit aller Menschen auf dieser Welt muss man die komplexen Zusammenhänge zwischen krankmachenden und gesund erhaltenden Faktoren verstehen“ erläutert Dr. Dr. Holst das inhaltliche Konzept des zweisprachigen Studienganges Internationale Gesundheitswissenschaften, den die Hochschule Fulda ab dem kommenden Wintersemester anbietet. Er will junge Menschen auf die Herausforderungen im Bereich der globalen Gesundheit vorbereiten. Wer dies studiert hat, soll in der Lage sein, die komplexen Zusammenhänge zwischen Gesellschaft und Gesundheit in der nationalen Gesundheitspolitik und der internationalen Zusammenarbeit anzuwenden und bisherige Lösungsstrategien kritisch zu diskutieren.

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