"Meine Zukunft wird großartig"

28.07.2015

Sie war mutig, sehr mutig. Verkaufte das Gold, das sie zur Hochzeit geschenkt bekommen hatte, kam mit ihrer damals sechjährigen Tochter nach Fulda und studierte Intercutural Communication and European Studies (ICEUS). Jetzt hat die mutige Pakistani Syeda Aisha Furrukh den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) bekommen.

„Bildung ist alles für mich“, sagt Syeda Aisha Furrukh und meint das auch genau so. Denn Aisha kommt aus Pakistan und für ihr Studium hat sie alles gegeben und viel aufgegeben. Nun lebt sie mit ihrer achtjährigen Tochter in Fulda. „Es war der 15. März 2013 als ich nach Deutschland kam.“ Aisha Furrukh erinnert sich genau, denn es war der „Wendepunkt“ ihres Lebens. An der Hochschule Fulda belegt sie seither den Masterstudiengang Intercultural Communication and European Studies (ICEUS).

Die 33-Jährige gehörte schon in Pakistan zu den wenigen Frauen, die es wagten und die Mittel dazu besaßen, sich zu bilden. Alles begann, als Aisha mit 18 Jahren von ihrem Bruder ermöglicht bekam, nach der Hochschulreife am Goethe-Institut in der Stadt Karachi Deutsch zu lernen. Aisha war das einzige Mädchen in der Gruppe und sog das Neue nur so auf. „Ich habe Einblick in eine andere Welt bekommen“, erinnert sie sich. Nach dieser Erfahrung gab es kein Zurück mehr. Zwei Jahre später arbeitete sie in der Bücherei des Goethe-Instituts. Noch heute leuchten ihre Augen, wenn sie von dieser Zeit erzählt: „Ich habe mit tollen Menschen gearbeitet und die Direktorin hat mich inspiriert.“ Von da an ließ es Aisha nicht mehr los, sie wollte in Deutschland studieren. Gleichzeitig wusste die junge Frau um ihre begrenzten Möglichkeiten.

In Pakistan studierte sie Kommunikationswissenschaften. Mit der Arbeit als Journalistin beim Fernsehen war es aber vorbei, als Aisha heiratete. Karriere trat hinter Familie zurück. Die junge Frau arbeitete dennoch als Beraterin und Lehrerin. Zehn Jahre sparte sie ihr Geld nur für ein Ziel: Studieren in Deutschland. Sie recherchierte im Internet nach einem passenden Studiengang, und wurde fündig – in Fulda. „Bitte lass mich studieren gehen“, bat sie ihren Mann. Er erkannte, wie wichtig ihr dieses Anliegen war und ließ seine Frau schweren Herzens mit der gemeinsamen Tochter ziehen. „Zum Glück ist er sehr liberal eingestellt“, sagt Aisha. Sie weiß, dass dieses Zugeständnis keine Selbstverständlichkeit ist. So nahm sie ihr Erspartes, verkaufte das Gold, das sie zur Hochzeit geschenkt bekommen hatte, und trat die Reise an. Für diese Möglichkeit ist sie ihrem Mann sehr dankbar. „Wir skypen jeden Tag und sind uns dabei noch näher gekommen“, sagt sie und lacht fröhlich.

In Fulda wurde sie mit offenen Armen empfangen. „Das International Office war eine große Hilfe“, sagt Aisha Furrukh und fügt hinzu: „Mir wurde großes Vertrauen entgegen gebracht.“ Vertrauen, das sie nicht enttäuschen will. Die Pakistani fühlt sich an der Hochschule und in ihrem Studiengang wohl. Sie schätzt den persönlichen Kontakt zwischen Lehrenden und Studierenden. „Wir sind wie eine kleine Familie“, sagt sie. Zu Beginn half ihr das Buddy-Programm der Hochschule. Sie weiß nun, wohin sie mit ihrer Tochter gehen kann. Aisha hat sich eingefunden, sie engagiert sich als studentische Mitarbeiterin und hofft auf die Möglichkeit, zu promovieren. Die Studierende blickt nur nach vorn. Sie bereut nichts.

Nach ihrer Rückkehr nach Pakistan möchte sie am liebsten bei einer NGO (Non Governmental Organisation) oder als Lehrerin  arbeiten. „Ich möchte meinem Land etwas zurückgeben und den Frauen in Pakistan zeigen, dass sie etwas erreichen können, wenn sie möchten“, sagt die starke Frau und sie fügt hinzu: „Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussieht, aber sie wird großartig.“

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