„Mit gutem Beispiel vorangehen“

18.02.2022

Die Hochschule Fulda hat ein Klimaschutzkonzept verabschiedet.

Bis 2030 will die Hochschule Fulda ihre Treibhausgasemissionen senken und gemäß den Landesvorgaben klimaneutral werden. Den Weg dahin hat sie in einem Klimaschutzkonzept festgeschrieben. Vorgesehen sind unter anderem Maßnahmen zu Mobilität, Wärmeversorgung und Biodiversität sowie Anpassungen an den Klimawandel. Dabei vernetzt die Hochschule sich auch mit externen Akteur*innen in der Region.

„Eine Hochschule, die weit mehr als 9.000 junge Menschen ausbildet, muss mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt Hochschulpräsident Professor Dr. Karim Khakzar. „Wie die jüngere Generation in Zukunft leben wird, hängt maßgeblich davon ab, welche Weichen wir jetzt stellen.“

Klimaschutz hat die Hochschule daher ganz oben auf ihre Agenda gesetzt. Im vergangenen Jahr hat sie ein Klimaschutzkonzept erstellt, gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) sowie der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundes. Sie ist damit eine von wenigen Hochschulen in Deutschland, die das Thema strategisch angeht und ihre Einsparpotenziale und Maßnahmen in einem Konzept gebündelt hat.

Zehn Handlungsfelder, 122 Maßnahmen

Auf zehn Handlungsfeldern will die Hochschule Fulda in den kommenden Jahren aktiv werden, angefangen beim Abwasser über das Beschaffungswesen bis hin zur Straßenbeleuchtung. 122 speziell auf die Hochschule zugeschnittene Einzelmaßnahmen sollen kurz-, mittel-, und langfristig umgesetzt werden, um die Treibhausgasemissionen der Hochschule zu mindern und die Klimaschutzaktivitäten zu verstetigen.

Die Ziele sind ambitioniert: Insgesamt, so hat eine Potenzialanalyse ergeben, könnte die Hochschule bei konsequenter Umsetzung aller Maßnahmen bis 2030 ihre Treibhausgasemissionen auf 413 Tonnen CO2-Äquivalente senken. Das wären 679 Tonnen weniger als im Jahr 2019. Pro Hochschulangehörigem würden sich damit die Emissionen von 0,11 Tonnen CO2-Äquivalent (2019) auf 0,04 Tonnen (2030) reduzieren.

Die Maßnahmen, mit denen das erreicht werden soll, beschränken sich keineswegs nur auf den Einsatz neuer Technologien. Jeder und jede Einzelne ist gefordert, Verhaltensweisen und Routinen zu überdenken und im besten Fall zu ändern. Um größtmögliche Akzeptanz des Konzepts zu erreichen, konnten sich daher Beschäftigte wie Studierende bereits an der Erarbeitung des Konzepts beteiligen und Vorschläge einbringen. Gemeinsam soll auch die Umsetzung erfolgen.

Größte Einsparpotenziale: Wärmeversorgung und Pendelverkehr

Geht man ausschließlich vom Campus in seinen Grenzen aus, ergeben sich die größten Einsparpotenziale in der Wärmeversorgung, und zwar durch den Umstieg auf regenerative Energieträger. Bezieht man die Mobilität – Dienstreisen und individueller Pendelverkehr – mit ein, dann lassen sich im Pendelverkehr die größten CO2-Reduktionen erzielen.

„Eine Umfrage unter den Hochschulangehörigen im Frühjahr 2021 hat uns gezeigt, dass der Pendelverkehr einen enormen Anteil an den Treibhausgasemissionen hat“, sagt Clarissa Plendl, die Klimaschutzbeauftragte der Hochschule Fulda, die für die Erarbeitung des Konzepts verantwortlich war. „Dass die Kolleginnen und Kollegen das Auto stehen lassen und eine klimafreundliche Anreise zum Campus zu wählen, darauf können wir als Hochschule nur begrenzt Einfluss nehmen. Denn auch externen Bedingungen spielen hier eine Rolle, wie eine gute ÖPNV-Anbindung oder gut ausgebaute und sichere Radwege. Aber wir können immerhin gewisse Rahmenbedingungen schaffen, die den Umstieg erleichtern.“

Radfahren: fürs Klima und die eigene Gesundheit

So soll sich im Sommersemester 2022 alles ums Radfahren drehen. „Wir wollen Lust und Freude am Fahrradfahren wecken und über einen längeren Zeitraum am Leben halten“, gibt Clarissa Plendl einen ersten Einblick in das Maßnahmenpaket, das gemeinsam mit dem Hochschulsport erarbeitet wird. Mit einem abwechslungsreichen Programm von Radausflügen über Reparatur-Workshops bis hin zu Vorträgen rund um Fahrrad und Mobilität soll das gelingen. Als Höhepunkt ist die gemeinsame Teilnahme der Hochschulangehörigen am Stadtradeln 2022 geplant.

Die Klimaschutzmanagerin der Stadt Fulda, Sophia Beyer, mit der Clarissa Plendl in regem Austausch steht, freut sich, dass sich die Hochschule Fulda beteiligen wird. „Auch von städtischer Seite möchten wir Anreize bieten, aufs Fahrrad umzusteigen. Wenn die Hochschule das mit fördert, dann können wir mehr Menschen erreichen.“ Die Ideen reichen bis hin zu einem Leihradsystem, das der Allgemeine Studierendenausschuss der Hochschule Fulda (AStA) gerne in Fulda etablieren würde. Auch dazu stehen Hochschule und Stadt in Kontakt. „Es spricht alles dafür, sich an den umfangreichen Angeboten zu beteiligen“, wirbt Clarissa Plendl schon jetzt. „Radfahren ist Klimaschutz, der auch der eigenen Gesundheit dient.“

Ein Campusgarten für die Artenvielfalt

Vorteile nicht nur fürs Klima bietet auch die Maßnahme Campusgarten. Zum einen soll der Garten einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt liefern, die Bedeutung der Biodiversität und den Zusammenhang zum Klima und zur Ressource Wasser bewusstmachen sowie die Wertschätzung nachhaltiger regionaler und saisonaler Lebensmittel fördern. Zum anderen soll er als naturnaher, grüner Aufenthalts- und Begegnungsort dienen. Auch hier steht die Beauftragte für Klimaschutz im Austausch mit anderen Akteur*innen in der Stadt, unter anderem mit dem Umweltzentrum, das bestrebt ist, Fulda zu einer „essbaren Stadt“ zu formen.

Herausforderung für alle: Anpassung an den Klimawandel

Dass es darüber hinaus auch gezielter Maßnahmen bedarf, sich den unausweichlichen Folgen der Klimaänderung anzupassen, ist mittlerweile unumstritten. Extreme Hitze, Starkregenfälle und Dürre haben in den vergangenen Jahren auch den Menschen in der Region zu schaffen gemacht. „Wir brauchen beides: Minderung der Treibhausgase und Anpassung an den Klimawandel“, unterstreicht Clarissa Plendl.

Und so sieht auch das Klimaschutzkonzept der Hochschule Fulda Anpassungsmaßnahmen vor. Zum Schutz der Beschäftigten und Studierenden bei Hitzeperioden sollen geeignete Maßnahmen erarbeitet werden. So könnten etwa Arbeitszeiten in die kühleren Stunden am frühen Morgen verlegt werden, wo immer es möglich ist. Und im Außenbereich sollen mehr beschattete Plätze für Studierende geschaffen werden. „Wir müssen künftig vorausschauend planen“, sagt Clarissa Plendl. Die Anpassung an den Klimawandel müsse daher in Planungs- und Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden, vor allem auch bei der Weiterentwicklung des Campus. Auch das ist im Klimaschutzkonzept fest verankert.

Hierist das komplette Klimaschutzkonzept der Hochschule Fulda abrufbar.

 

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