„Nur ein Quadratmeter Stoff?“

03.06.2016

Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Praxis diskutierten über das Tragen des Kopftuchs.

Zum zweiten Mal diskutierten an der Hochschule Fulda am Donnerstag dieser Woche Studierende, Vertreterinnen und Vertreter der Praxis, der Wissenschaft und Interessierte „Gesellschaftliche Herausforderungen und Reaktionen der Praxis im Kontext der aktuellen Flüchtlingssituation“. Im Mittelpunkt der unter diesem Titel von Prof. Dr. Heike Herrmann organisierten Veranstaltungsreihe standen diesmal Einstellungen und (Vor-)urteile gegenüber Kopftuch tragenden Muslima innerhalb unserer Gesellschaft, vor allem jedoch innerhalb der Profession der Sozialen Arbeit gegenüber Kopftuch tragenden Fachkräften.

Gleich zu Beginn des Vortrags von Prof. Dr. Regina-Maria Dackweiler (Hochschule RheinMain) wurde klar, dass es sich nicht nur im Hinblick auf Islamkritik und Islamfeindlichkeit um ein hoch aktuelles Thema handelt. Auch die einen Tag zuvor von der Generalanwältin an den Europäischen Gerichtshof gerichtete Empfehlung, Arbeitgebern die Möglichkeit offen zu halten, das Tragen eines Kopftuches am Arbeitsplatz zu untersagen, verdeutlicht, wie zentral die Auseinandersetzung mit diesem Thema für Fachkräfte und für die Gesellschaft ist.

Woher kommen die eigenen Vorurteile?

Die engagierte Politologin wies anhand der Ergebnisse einer von ihr durchgeführten Untersuchung auf die Paradoxie und „Gerechtigkeitslücke“ hin, die darin besteht, dass einerseits ein Fachkräftemangel in der Sozialen Arbeit herrsche, andererseits aber Kopftuch tragende Fachkräfte nicht eingestellt werden. Sie provozierte das Publikum, indem sie dazu aufforderte, die Aufmerksamkeit auf sich selbst zur richten und zu fragen, woher die eigenen (Vor-)Urteile gegenüber kopftuchtragenden Muslima stammten. Es gehe weniger darum die Frauen als vielmehr sich selbst in den Blick zu nehmen. Prof. Dackweiler machte deutlich, dass es ihr um die Frauen gehe, die freiwillig und bewusst ein Kopftuch tragen, sie jeglichen Zwang – zum Tragen wie zum Abnehmen des Kopftuchs – ablehne.

An den Vortrag schloss sich eine engagierte Diskussion an mit detaillierten Fragen zu den Ergebnissen der Forschung, eigenen Erfahrungen und Statements  aus der Praxis. Moderatorin Prof. Dr. Heike Herrmann schloss die Diskussionsrunde für diesen Abend mit dem Verweis, dass es noch eine Menge Diskussionsbedarf gebe und es den Diskurs um die Herausforderungen fortzusetzen gelte.

Nächster Termin

Die nächste Gelegenheit, im Rahmen der Veranstaltungsreihe weiter zu diskutieren, besteht bereits am Donnerstag, den 9. Juni, um 17.30 Uhr im Gebäude 20, Raum N 10. Dann wird  es um „Fremde Lebenswelten“ gehen, um die Erfahrungen eines engagierten in Jordanien geborenen Flüchtlingshelfers und seine Vorstellungen davon, wie die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen sind.

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