„Nur ein Quadratmeter Stoff?“ – eine angeregte Diskussion um Kopftuch tragende

08.06.2016

Die Hochschule Fulda war nun schon zum zweiten Mal ein Ort, an dem sich Studierende, Vertreterinnen und Vertreter der Praxis, der Wissenschaft und Interessierte zu Themen rund um die aktuelle Flüchtlingssituation austauschten.

Im Mittelpunkt der von Prof. Dr. Heike Herrmann organisierten Veranstaltungsreihe „Gesellschaftliche Herausforderungen und Reaktionen der Praxis im Kontext der aktuellen Flüchtlingssituation“ standen diesmal Einstellungen und (Vor-)urteile gegenüber Kopftuch tragenden Muslima innerhalb unserer Gesellschaft, vor allem jedoch innerhalb der Profession der Sozialen Arbeit gegenüber Kopftuch tragenden Fachkräften. Gleich zu Beginn des Vortrages von Prof. Dr. Regina-Maria Dackweiler (Hochschule RheinMain)wurde klar, dass es sich nicht nur im Hinblick auf Islamkritik und Islamfeindlichkeit um ein hoch aktuelles Thema handelt. Auch die einen Tag zuvor von der Generalanwältin an den Europäischen Gerichtshof gerichtete Empfehlung, Arbeitgebern die Möglichkeit offen zu halten, das Tragen eines Kopftuches am Arbeitsplatz zu untersagen verdeutlicht, wie zentral die Auseinandersetzung mit diesem Thema für Fachkräfte und für die Gesellschaft ist. Die engagierte Politologin wies anhand der Ergebnisse einer von ihr durchgeführten Untersuchung auf die Paradoxie und „Gerechtigkeitslücke“ hin, die darin besteht, dass einerseits ein Fachkräftemangel in der Sozialen Arbeit herrsche, aber andererseits Kopftuch tragende Fachkräfte nicht eingestellt werden. Sie provozierte das Publikum, indem sie dazu aufforderte, die Aufmerksamkeit auf sich selbst zur richten und zu fragen, woher die eigenen (Vor-)Urteile gegenüber kopftuchtragenden Muslima stammen. Es ginge weniger darum die Frauen als vielmehr sich selbst in den Blick zu nehmen. Frau Prof. Dackweiler machte sehr deutlich, dass es ihr um die Frauen geht, die freiwillig und bewusst ein Kopftuch tragen, sie jeglichen Zwang – zum Tragen wie zum Abnehmen des Kopftuchs – ablehnt. Wie auch beim letzten Termin folgte auf den Vortrag eine sehr engagierte Diskussion aus dem ca. 60 Personen umfassenden Publikum, mit detaillierten Fragen zu den Ergebnissen der Forschung, eigenen Erfahrungen und Statements  aus der Praxis. Wiederum musste die Moderatorin, Prof. Dr. Heike Herrmann, den Austausch für diesen Abend beenden – mit dem Verweis darauf, dass es den Diskurs um die Herausforderungen und Themen fortzusetzen gilt. Die nächste Gelegenheit im Rahmen der Veranstaltungsreihe ist bereits Donnerstag, der 9. Juni. Wiederum um 17.30 Uhr im Gebäude 20, Raum N 10 geht es dann um „Fremde Lebenswelten“, um die Erfahrungen eines engagierten in Jordanien geborenen Flüchtlingshelfers und seinen Vorstellungen davon, wie die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen sind.

Den Flyer zur Veranstaltung finden sie hier.

zurück