Patient Krankenkasse?

11.04.2017
Beim Krankenkassensystem greifen Politik, Wirtschaft und Gesundheit ineinander (Quelle: Andreus "Kosten für das Gesundheitssystem", Depositphotos)

Prof. Dr. Stefan Greß, Leiter des Studiengangs Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik, sprach in der SWR-Sendung „Planet Wissen“ über das System der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung.

Obwohl es seit 2007 eine Krankenversicherungspflicht in Deutschland gibt, sind immer noch schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Menschen hierzulande ohne Krankenversicherung. Denn für einige wird die Versicherungspflicht zur Schuldenfalle. Zudem sorgt die Zweiklassenmedizin bei vielen Versicherten für Unmut. Aber in Zeiten von demografischem Wandel, Hightech-Medizin und Zinsverfall klagen auch die Krankenversicherungen selbst über knappe Kassen. Wie kommt es, dass diese große Bismarck´sche Errungenschaft als Säule des Sozialstaates so in Schieflage gerät?

Die Sendung können Sie hier ansehen.

Gesundheit, Ökonomie und Politik

Hier greifen Politik, Wirtschaft und Sozial- und Gesundheitspolitik ineinander. Um Fachleute für diesen Schnittstellenbereich auszubilden, hat der Fachbereich Pflege und Gesundheit der Hochschule Fulda im letzten Jahr der Bachelor-Studiengang „Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik“ ins Leben gerufen. Mit großem Erfolg: Der Studiengang wird sehr gut nachgefragt. „Wir bekommen ständig Anfragen, so dass wir zum nächsten Wintersemester Zulassungsbeschränkungen einführen müssen“, so der Fuldaer Gesundheitsökonom und Versorgungsforscher Stefan Greß. „Denn neben der Ökonomie spielt die Politik eine entscheidende Rolle“, sagt Greß. „Es wird politisch entschieden, wer Zugang zu welcher Art von Gesundheitsversorgung hat und wie welche Qualität in der Versorgung Kranker oder Pflegebedürftiger sichergestellt und finanziert wird. Hinzu kommt, dass verschiedenste Gruppen ihre Interessen durchzusetzen versuchen.“

Studium an der Schnittstelle

Der Studiengang umfasst sechs Semester und schließt ein Praxissemester sowie ein studentisches Projekt ein. Ein Auslandssemester ist möglich. Das Studium schließt mit dem akademischen Grad Bachelor of Science (B.Sc.) ab. Auf einen Masterstudiengang in Public Health – an den sich auch eine Promotion anschließen kann – sind die Absolventinnen und Absolventen optimal vorbereitet.

„Die Studierenden müssen das mitbringen, was auch mich selbst antreibt: Interesse an Gesundheit, Politik und Wirtschaft“, erklärt Professor Greß. „Das wird nie langweilig, jede Regierung hat andere Vorstellungen von Gesundheitspolitik – man muss ständig eingefahrene Gleise verlassen und Neuland betreten.“

Sehr gute Berufsaussichten

Greß, der regelmäßig als Experte im Gesundheitsausschuss des Bundestags zu gesundheitspolitischen Fragen Stellung nimmt, schätzt die Jobperspektiven für die Absolventinnen und Absolventen als sehr gut ein: „Durch meine Kontakte mit der Politik, mit Bundestagsabgeordneten und Referenten bekomme ich mit, wie groß der Bedarf in der Politik nach Personen ist, die genau das können, was wir ausbilden“, sagt er. Die Gesundheitswirtschaft sei einer der größten Teilbereiche der Volkswirtschaft, jeder zehnte Euro, der in Deutschland ausgegeben werde, fließe ins Gesundheitssystem. Potentielle Arbeitgeber sind beispielsweise Institutionen der öffentlichen Hand, Sozialversicherungsträger, Spitzenorganisationen von Leistungserbringern im Gesundheitswesen, Institutionen der Politikberatung, Träger der Entwicklungshilfe sowie freie Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft.

•    Studiengang Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik (B.Sc.)
•    Studiengang Public Health (M.Sc.)

Kontakt:

Prof. Dr.

Stefan Greß

Prodekan

Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie

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