Produktpiraterie-Vortrag zog über 150 Gäste an

10.05.2016
Original oder Fälschung? Der Vortrag von Dr. Jan Techert, Regierungsdirektor im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) über Strategien gegen Produktpiraterie stieß nicht nur bei Studierenden auf großes Interesse. Auch zahlreiche Vertreter regionaler Unternehmen und Kanzleien kamen zum Fuldaer Kolloquium Unternehmensrecht.
Dr. Jan Techert, Regierungsdirektor im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV)
von links: Geschäftsführer des Fördervereins Prof. Dr. Huth, Dekan Prof. Dr. Maurer, Regierungsdirektor Dr. Techert, Leiter des Kolloquiums Prof. Dr. Skauradszun, Vorstand des Fördervereins Prof. Dr. Schminke (Fotos: Kristina Kraft)

Regierungsdirektor Dr. Jan Techert vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz besuchte das Fuldaer Kolloquium zum Unternehmensrecht.

Mehr als 150 Gäste kamen am 3. Mai an die Hochschule Fulda, um die dritte Veranstaltung des Fuldaer Kolloquiums zum Unternehmensrecht unter Leitung von Prof. Dr. Dominik Skauradszun zum Thema „Original oder Fälschung? Strategien gegen Produktpiraterie“ zu besuchen. Neben Studierenden aus sechs Fachbereichen der Hochschule Fulda fanden an diesem Abend auch zahlreiche Vertreter regionaler Unternehmen und Kanzleien ihren Weg an die Hochschule, um den Vortrag von Dr. Jan Techert, Regierungsdirektor beim Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV), zu hören.

50 Milliarden Euro Schaden jährlich

Dr. Techert machte in seinem Vortrag auf die allgegenwärtigen Probleme der Produktpiraterie aufmerksam. Für die Unternehmen führe Produktpiraterie jährlich zu einem geschätzten Schaden in Höhe von 50 Milliarden Euro. Beispielsweise könne das für den deutschen Hersteller die Situation sein, dass er von einem Geschädigten aus Produkthaftung nach dem Produkthaftungsgesetz in Anspruch genommen werde, der Hersteller jedoch dieses Produkt gar nicht selbst produziert habe, sondern es sich um eine Fälschung handle.

Gefälschte Arzneimittel oft nicht zu erkennen

Für die Verbraucher hob Dr. Techert etwa das Risiko hervor, gefälschte Arzneimittel vom Original häufig nicht unterscheiden zu können. Anders als das offensichtlich gefälschte Fußballtrikot auf einschlägigen Märkten seien Arzneimittelfälschungen vom Verbraucher bei der Bestellung in der Internet-Apotheke oft nicht zu erkennen. Ferner könne der Verbraucher regelmäßig nicht sehen, unter welch desolaten Bedingungen Arzneimittelfälschungen teils produziert würden.

Bedeutung der Schutzrechte für Unternehmen

Der Referent gab darüber hinaus einen Einblick in die Statistik, wonach der deutsche Zoll zu 46,93 % Fälschungen aus China und zu 28,20 % aus Hongkong aufgreife. Insbesondere beim Themenkomplex „Zoll“ machte der Regierungsdirektor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Bedeutung der (gewerblichen) Schutzrechte deutlich. Ein Unternehmen, das den Aufwand für die Registrierung eines sog. Registerschutzrechtes wie das Patent nicht auf sich nehme, könne die Rechteverletzer weder auf Unterlassung noch Vernichtung oder Rückruf in Anspruch nehmen. 

Dr. Techert widmete sich abschließend verschiedenen Lösungsansätzen zur Bekämpfung und Prävention der Produktpiraterie. Er hob hervor, dass sich diese Aufgabe Unternehmen und Staat teilen müssten. Auf der einen Seite könne die Bundesrepublik Deutschland rechtspolitische Maßnahmen wie die EU-Produktpiraterie-Verordnung oder die verschärfte Ahndung von Markenrechtsverletzungen voranbringen. Auf der anderen Seite sei der Zoll darauf angewiesen, dass die Unternehmen ihn mit hinreichend Informationen auszustatten, um Fälschungen zuordnen und die Grenzbeschlagnahme durchführen zu können. Die Unternehmen müssten ihr geistiges Eigentum in die jeweiligen Register eintragen lassen, ihre IT-Systeme schützen und die eigenen Mitarbeiter sensibilisieren.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde durch die fachlichen Fragen ersichtlich, dass dieses Thema besonders bei den Unternehmensvertretern ein alltägliches Problem mit Lösungspotenzial darstellt. Bei dem nachfolgenden Get-together hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit, sich mit ihren Fragen in einem persönlichen Gespräch an Dr. Techert zu wenden und das Thema weiter zu diskutieren.

Das Fuldaer Kolloquium zum Unternehmensrecht unterstützt mit seinem Kooperationspartner – dem Förderverein des Fachbereichs Wirtschaft – besonders die Studierenden, welche die Möglichkeit haben, sich direkt an Referenten und Unternehmensvertreter zu wenden und somit erste Gespräche mit den regionalen Unternehmen zu führen.

Kontakt

Prof. Dr. habil.

Dominik Skauradszun

Prodekan

Bürgerliches Recht, Zivilverfahrensrecht und Wirtschaftsrecht, insbesondere Unternehmensrecht

Gebäude 30 , Raum 206
Prof. Dr. habil.Dominik Skauradszun+49 661 9640-2960
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