Prof. Skauradszun spricht auf dem European Insolvency and Restructuring Congress in Brüssel

10.07.2017
(Foto: privat)
(Foto: privat)
(Foto: Kongressfotograf)

Fuldaer Ergebnisse zu „Virtual Secondary Insolvency Proceedings“ vorgestellt

Professor Dr. Dominik Skauradszun hielt am 29. Juni 2017 auf dem European Insolvency and Restructuring Congress in Brüssel einen Einführungsvortrag zu virtuellen Sekundärinsolvenzverfahren und stellte als Panelist seine in 2016 veröffentlichten Untersuchungen zur Diskussion.

Auf dem hochkarätig besetzten Kongress sprach u.a. die EU Kommissarin für Justiz Věra Jourová, die die aktuelle Entwicklungen um die neue Europäische Insolvenzverordnung und den Kommissionsentwurf zu präventiven Restrukturierungsverfahren darstellte, der Präsident der Schweizer Bankenaufsicht Dr. Thomas Bauer und der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Prof. Marcel Fratzscher, Ph.D. Restrukturierungsexperten aus 17 EU Mitgliedstaaten sowie der Schweiz verfolgten sodann Vorträge und Podiumsdiskussionen mit Experten u.a. aus der Justiz, Insolvenzverwaltung, Forschung und von den EU Institutionen.

Der Fuldaer Rechtswissenschaftler Dominik Skauradszun ist auf komplexe Sanierungen von Großunternehmen mit Niederlassungen in Europa spezialisiert, die auf Grundlage der Europäischen Insolvenzverordnung (EuInsVO) restrukturiert werden sollen und in denen anstelle von realen Sekundärinsolvenzverfahren die Sekundärverfahren in den einzelnen Mitgliedstaaten nur virtuell geführt werden (Art. 1, 2 Abs. 10 und 11, 3 Abs. 2, 34, 36-39 EuInsVO 2015). Hintergrund ist, dass der europäische Gesetzgeber lokalen Gläubigern erlaubt, die Vermögensgegenstände in einem Land, in dem das Schuldnerunternehmen eine Niederlassung hat, getrennt vom Hauptverfahren zu verwerten. Derartige Sekundärinsolvenzverfahren erschweren aber meist die Gesamtsanierung des Unternehmens, da die Insolvenzverwalter dann nicht mehr auf die betroffenen Niederlassungen zugreifen können (sog. modifiziertes Universalitätsprinzip). Seit Juni 2017 ist es möglich, diese Sekundärinsolvenzverfahren mittels aufwendigen Prozedere virtuell – also synthetisch – zu führen.

Die Untersuchungen von Professor Skauradszun wurden mit Drittmitteln und Mitteln der Hochschule gefördert. In den Teams wurden Master- und Bachelor-Studierende aus den Studiengängen Wirtschaftsrecht, IBWL und AFC eingesetzt. Die Ergebnisse erschienen 2016 in der Zeitschrift für Insolvenzrecht (KTS 2016, S. 419-453), die viermal im Jahr grundlegende Arbeiten im Insolvenzrecht veröffentlicht, sowie in der Zeitschrift für Wirtschaftsrecht (ZIP 2016, S. 1563-1574). Auch aufgrund seiner Kritik am Entwurf eines deutschen Durchführungsgesetzes des Bundesministeriums der Justiz und des Verbraucherschutzes zur neuen EuInsVO (Kritik veröffentlicht in DB 2016, S. 2165 f.) wurden die vom deutschen Ministerium der Justiz und Verbraucherschutz vorgeschlagenen Regelungen nicht Gesetz, das die Europäische Insolvenzverordnung in bestimmten Bereichen in Deutschland eingeschränkt hätte. Zu aktuellen Entwicklungen der Unternehmenssanierung bietet Prof. Skauradszun gegenwärtig den Master-Elective Course „Managing International Insolvencies“ sowie die Bachelor-Vertiefungsvorlesung „Nachhaltige Unternehmenssanierung“ an.

The 6th European lnsolvency and Restructuring Congress (EIRC) was held in Brussels from 29 to 30 June 2017. The EIRC offers a unique forum for insolvency and restructuring experts to discuss issues concerning national and cross border insolvency and restructuring proceedings. With the new European Insolvency Regulation entering into force by end of June 2017, the focus of the congress laid on the topic of virtual secondary insolvency proceedings. Professor Dominik Skauradszun, who lectures inter alia the elective course “Managing International Insolvencies” in the master programme International Management and who specialises in European restructuring cases, spoke about virtual secondary insolvency proceeding according to the recast of the European Insolvency Regulation 2015. In his latest research he published solutions how to prepare the so-called “factual assumptions” (Art. 36 para. 1 EIR) as the basis for the decision making of the local creditors in the Member State in which a secondary insolvency proceeding could have been opened (Art. 36 para. 5 EIR).

zurück