Reverse-Engineering praktisch erleben

25.08.2016

Studierende erarbeiten Produktionsprozess für die Herstellung einer Produktverpackung durch Reverse-Engineering

"Sie haben als Projektleiter die Aufgabe den Produktionsprozess für die Produktion einer Produktverpackung aufzubauen. Zeigen Sie, wie Sie das realisieren und weisen Sie die Prozessfähigkeit nach."

So lautete die Projektaufgabe im Modul „Aufbau und Betrieb technischer Prozesse 1“ im Sommersemester 2016.

Die bewusst sehr offen formulierte Aufgabenstellung gibt weder Lösungsmethode noch Lösungsrezept vor; vielmehr regt sie die Studierenden an, diese selbst zu formulieren. Gerade aus der freien Formulierung ergibt sich der besondere Reiz des Lehrkonzeptes: Die Studierenden betrachten Themen nicht nur oberflächlich, sondern tauchen an selbstbestimmten Stellen fachlich in die Tiefe.

Ein interessanter Ansatz im Konzept des "problembasierten Lernens" ist die Verwendung des Prinzips des Reverse Engineerings, d.h. die Zerlegung / Nachkonstruktion eines bestehenden Produktes. Für oben genannte Aufgabenstellung wurde das Reverse Engineering am Beispiel eines aufwendigen Schuhkartons durchgeführt. Fünf separate Projektgruppen mit jeweils vier Studierenden haben diesen analysiert und feststellen können, dass die auf den ersten Blick unscheinbare Verpackung eine Vielzahl von Prozessschritten durchlaufen muss, damit aus einer Designidee ein Produkt für die Massenfertigung wird.

Während der Analyse des Produktes haben die Studierenden die Hauptprozessschritte, wie den Entwurf von Kartonagen mit unterschiedlichen CAD Systemen oder die Fertigung von Wellpappe, identifiziert. Teile dieser Produktionsprozesse wurden im Verlauf der Werksbesichtigungen bei den Firmen STI Grebenhain Display + Verpackung GmbH in Grebenhain und Wellpappen Freigericht GmbH in Bad Soden-Salmünster am konkreten Beispiel besichtigt. Fachtermini wurden so nicht nur durch theoretische Recherchen erarbeitet, sondern konnten direkt mit Experten erörtert werden.

Die an das Ausgangsprodukt angelehnten Eigenentwürfe der Studierenden wurden als physikalische Muster unter Einsatz moderner Produktionsmaschinen produziert. Die Schuhkartons entstanden teils als völlig eigenständige Projekte, teils in Kooperation mit den genannten Firmen. Die Prozessfähigkeit haben die Studierenden mit der für Fachhochschulen typischen Praxisorientierung somit nachgewiesen. Mit dem Durchlaufen der Prozesskette haben die Studierenden darüber hinaus erfahren, dass die Reduktion der Losgröße von Massenprodukten auf ein Stück – eine der Ideen von Industrie 4.0 – durchaus keine Trivialität darstellt.

Prof. Dr.-Ing. E. Engels

Bildquellen: ©2016 Hochschule Fulda

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