„Sieh hin“

07.10.2016

Terminänderung: Ab 28. Oktober zeigt eine Ausstellung in der HLB die Reflexionen geflüchteter Schülerinnen und Schüler über Heimat und Flucht.

 

 „Sieh hin“ lautet der Titel der Ausstellung, die am Freitag, den 28. Oktober, um 11 Uhr in der Hochschul- und Landesbibliothek eröffnet und dann vier Wochen lang dort zu sehen sein wird. Sie präsentiert die Reflexionen geflüchteter Schülerinnen und Schüler der Klasse Intensiv 3 der Richard-Müller-Schule rund um die Themen Heimat und Flucht. Die jungen Menschen mussten in der Heimat alles zurück lassen. Sie haben ihre sozialen Räume, ihre sozialen Kontakte verloren und sich auf den Weg ins Ungewisse gemacht.

Was haben sie hinter sich gelassen? Was haben sie hier angetroffen? Welche Perspektiven haben sie? Was müssen sie für diese tun? Sind sie bereit, das Nötige dafür zu tun? Das sind Fragen, die die geflüchteten Schülerinnen und Schüler sich stellen. Und vielleicht bilanzieren sie auch: Hat das den Preis der gefährlichen Flucht gerechtfertigt? Möglicherweise hat das Bilanzieren und Reflektieren auch noch gar nicht begonnen. Vielleicht sind gerade die geflüchteten Jugendlichen – oft traumatisiert - noch gar nicht so weit, sich diesen Fragen zu stellen. Doch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit erscheint unabdingbar für eine gelingende Zukunft.

In der sozialen Arbeit wird viel mit dem Raumkonzept gearbeitet, dabei werden die sozialen Räume und die soziale Position unmittelbar mit den Chancen und  Möglichkeiten der Individuen verknüpft. „Jeder Mensch konstruiert seinen eigenen Sozialraum“, lautet die Prämisse. Ausgehend von dieser Annahme, dass Räume persönlichkeitskonstituierend sind, hat sich die Studierende Cora Magdalena Hille im Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda mit dieser Thematik auseinandergesetzt und nach Wegen gesucht, einen konstruktiven Reflexionsprozess anzustoßen. Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit hat sie die Ausstellung konzipiert.

In Zusammenarbeit mit der Klassenlehrerin der Klasse Intensiv 3 entstanden Plakate, die sich mit dem Thema Heimat auseinandersetzen und diese durch Fotos illustrieren. In einem zweiten Schritt befassten sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrer Situation hier in Deutschland und gestalteten ebenfalls Plakatwände. Die Weltkarte, die die Ausstellung eröffnet, macht dem Besucher Herkunftsländer und Fluchtrouten bewusst. Auf einem großen Transparent verarbeiteten die geflüchteten Jugendlichen ihre Erfahrungen auf ihrem Weg hierher. Insbesondere dieser Teil des Erinnerns war den Jugendlichen überlassen und wurde auch nicht von allen wahrgenommen.

„Sieh hin“ – die Aufforderung ist im doppelten Sinn gedacht: Zum einen stellt der Titel der Ausstellung einen Appell an die Jugendlichen dar, nicht zu verdrängen, sondern vielmehr alles Erlebte als Teil ihrer selbst zu akzeptieren, auch wenn es schmerzhaft sein sollte. Ziel ist eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, um eine Zukunft zu ermöglichen.

Den heimischen Betrachter, den Besucher, der diese Erfahrung nicht teilt, lädt die Ausstellung ein, sich einem fremden Leben, einer fremden Biographie, einem fremden Schicksal zu stellen und so vielleicht mehr Empathie, mehr Verständnis für die schwierige Situation des anderen aufzubringen.

Weitere Informationen:
Flüchtlinge gestalten eine Ausstellung
Was bedeutet Heimat?

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