Simulation am Landgericht Fulda

02.07.2019

Wirtschaftsjuristen testen Lösungsansätze vor Fuldaer Richtern

Im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Fulda sind die Studierenden des Studiengangs Wirtschaftsrecht am 18.06.2019 in vier verschiedenen Konzerngesellschaften gegeneinander angetreten und haben um die beste Argumentation gerungen.

 

Hintergrund: Forschendes Lernen und Moot Courts

Prof. Dr. Dominik Skauradszun hatte für seine Vorlesung „Insolvenzrecht“ mit Hilfe von QSL-Mitteln ein Forschendes Lernen entwickelt, bei dem eine Konstellation aus dem Konzern-Insolvenzanfechtungsrecht von den Studierenden selbständig erarbeitet wurde.

Im Kern ging es um die Frage, ob eine Konzerngesellschaft von gleichrangigen Schwestergesellschaften oder gar in der Konzernhierarchie tiefer stehenden Nichtengesellschaften über die Anfechtungsvorschriften §§ 143 Abs. 3, 135 Abs. 2 InsO Erstattung verlangen kann, wenn diese Konzerngesellschaften („Schwester“ und „Nichte“) vor der Insolvenz Sicherheiten gewährt hatten und von diesen deshalb frei wurden, da die darlehensnehmende Konzerngesellschaft vor der Insolvenz das Dritt-Darlehen zurückgewährt hatte. Diese Konstellation – eigentlich eine typische Situation in der Fremdfinanzierung im Konzern – wurde vom Bundesgerichtshof und den Obergerichten noch nicht entschieden und im wissenschaftlichen Schrifttum noch nahezu nicht erörtert. Prof. Skauradszun war hierzu 2018 als Gutachter tätig.

Das Forschende Lernen wurde in dieser Lehrveranstaltung um eine den Moot Courts angenäherte Simulation ergänzt. Bei Moot Court Wettbewerben duellieren Teams verschiedener Hochschulen in einem fiktiven Fall gegeneinander; vorliegend bestand dieser Wettbewerb zwischen den Studierenden einer Lehrveranstaltung. Didaktisches Ziel bei dieser Kombination aus Forschendem Lernen und Simulation ist, dass sich Studierende intensiver mit Fachfragen und Lösungsansätzen aus dem Schrifttum beschäftigen und identifizieren, wenn sie diese Themen selbst in Echtzeit, unter Anspannung und in möglichst realitätsnahen Situationen anwenden müssen. Für die Wirtschaftsjuristen gehört es insoweit zum Berufsalltag, Erfolgsaussichten von komplexen Gerichtsverfahren zu prognostizieren, Kanzleien zu mandatieren, diese zu beaufsichtigen und Prozessbevollmächtigte in die mündlichen Verhandlungen zu begleiten.

 

Justiz, IHK und Hochschulpräsidium

Auf Einladung des Präsidenten des Landgerichts Fulda, Herrn Dr. Jochen Müller, stellte das Landgericht seinen großen Saal 1 zur Verfügung. Zwei Berufsrichter, Vizepräsident Dr. Patrick Liesching und Vorsitzender Richter am Landgericht Jörg Latsch, spielten die beisitzenden Richter in der fiktiven Zivilkammer, die den Fall zu entscheiden hatte. Prof. Skauradszun, selbst früher Richter am Amts- und Landgericht, übernahm den fiktiven Vorsitz.

Prof. Skauradszun pflegt seit Jahren den Kontakt zum hiesigen Amts- und Landgericht und hatte schon in der Vergangenheit zahlreiche Exkursionen zu den Gerichten organisiert. Erstmals wurde nun die Zusammenarbeit dergestalt vertieft, als dass die Studierenden ihre Lösungsansätze vor echten Richtern testen konnten.

Die Industrie- und Handelskammer war durch ihren Präsidenten, Herrn Dr. Christian Gebhardt, vertreten, der sich vom fachlichen Niveau der Wirtschaftsjuristen beeindruckt zeigte. Diese haben das Forschende Lernen im 4. Semester durchlaufen und in diesem Zuge unter Beweis gestellt, mit dem Zivilprozessrecht, Insolvenzrecht, Gesellschaftsrecht und Konzernrecht vertraut zu sein und diese Kenntnisse auch in ungewohnter Umgebung abrufen zu können.

Aus dem Präsidium der Hochschule verfolgten die Vizepräsidentin Prof. Dr. Kathrin Becker-Schwarze und der Kanzler Ralf Alberding, MBA, die Simulation, aus dem Dekanat war Dekan Prof. Dr. Tobias Knedlik unter den Zuschauern.

 

Presse

Die Presse berichtete in der Samstagsausgabe vom 22.06.2019 von dieser Simulation. Der Bericht kann hier eingesehen werden. Ferner vermittelt ein Video  Eindrücke von der Simulation.

Fotos: Robert Gross.

zurück