Studierende: Probleme mit Gesundheitshinweisen zu Corona

14.08.2020

Professor Dr. Kevin Dadaczynski (links) und Professorin Dr. Katharina Rathmann (rechts) vom Public Health Zentrum (PHZF) der Hochschule Fulda sowie Wissenschaftler*innen der Universität Bielefeld haben Studierende in ganz Deutschland befragt. Fotos: HPS Conference/privat

Fast 15.000 Studierende aus 130 Hochschulen haben sich deutschlandweit an einer Onlinebefragung zur digitalen Gesundheitskompetenz in Zeiten von Corona beteiligt.

Wie suchen und finden Studierende digitale Gesundheitsinformationen im Kontext der Corona-Pandemie? Wie gehen sie mit der Masse an Gesundheitsinformationen um, auch mit dem Nebeneinander von vertrauenswürdigen Informationen und Desinformation im Internet? Und welche Belastungen resultieren für sie aus dem Informationsangebot? Das wollten Professor Dr. Kevin Dadaczynski und Professorin Dr. Katharina Rathmann vom Public Health Zentrum (PHZF) der Hochschule Fulda sowie Wissenschaftler*innen der Universität Bielefeld von Ende März bis Mitte April von Studierenden wissen. Nun haben sie erste ausgewählte Ergebnisse veröffentlicht.

Schwierigkeiten, die Qualität der Informationen zu beurteilen
Der Großteil der Studierenden verfügt der Studie zufolge über ausreichend digitale Gesundheitskompetenz. Doch mehr als 42 Prozent der Befragten berichten von Schwierigkeiten, die Qualität der Gesundheitsinformationen zum Coronavirus zu beurteilen. Neben Schwierigkeiten, die gesuchte Information im Internet ausfindig zu machen, hat ein Teil der Studierenden Probleme, das eigene Anliegen passgenau und verständlich zu formulieren, wenn sie selbst Nachrichten zum Coronavirus verfassen, und zu beurteilen, welche Personen die in sozialen Netzwerken oder Foren geposteten Nachrichten mitlesen können. Im Internet gefundene Informationen im Lebensalltag anzuwenden, bewerten 80 Prozent der Studierenden als (sehr) einfach, während 20 Prozent angeben, dass ihnen dies schwer oder sehr schwer fällt.

Mehr Gesundheitskompetenz, mehr psychisches Wohlbefinden
„In der aktuellen Pandemie ist eine ausreichende Gesundheitskompetenz entscheidend“, betont Professor Dr. Kevin Dadaczynski von der Hochschule Fulda. „In den sozialen Medien – und nicht nur dort – gibt es eine Fülle von qualitativ unterschiedlichen Informationen zum Virus. Für Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz kann diese Menge an oft widersprüchlichen Informationen psychosozial belastend und damit riskant für die Gesundheit sein.“ Die Studie liefert Hinweise für den Zusammenhang von Gesundheitskompetenz und psychischem Wohlbefinden: Studierende mit einer hohen digitalen Gesundheitskompetenz weisen auch ein höheres psychisches Wohlbefinden auf.

Unterstützungsstrukturen ausbauen und „Digital Detox“
Die Wissenschaftler*innen raten dazu, bestehende hochschulische Beratungs- und Unterstützungsstrukturen zu stärken, um Studierende, deren Gesundheit belastet ist, im Umgang mit Gesundheitsinformationen und weiteren Belastungen aufzufangen. Sie sehen auch die Informationsanbieter*innen und Betreiber*innen von sozialen Medien in der Pflicht. Diese müssten aufgefordert werden, vertrauenswürdige Informationen bereitzustellen und Maßnahmen gegen die Verbreitung von Des- und Fehlinformationen über ihre Webseiten und Portale zu unternehmen. Denkbar und im Einklang mit bestehenden Empfehlungen sei eine Art „Digital Detox“ – also ein zurückhaltender Gebrauch digitaler, vor allem sozialer Medien, um so auch die Konfrontation mit widersprüchlichen Inhalten zu begrenzen.

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