Studieren ohne Abitur - Das geht doch gar nicht? Doch, das geht!

20.05.2021

Foto: Hochschule Fulda | Uli Mayer

Seit einigen Jahren besteht in ganz Deutschland die Möglichkeit, ohne Abitur und mit Vorliegen einer abgeschlossenen Berufsausbildung, ein Studium zu beginnen. Hierfür existieren drei verschiedene Zugangswege: Die Aufstiegsfortbildung, die Hochschulzugangsprüfung und der Modellversuch.

Die Aufstiegsfortbildung entspricht der allgemeinen Hochschulreife. Verschiedene Qualifikationen ermöglichen den Beginn eines fachunabhängigen Studiums an einer Hochschule (z. B. Meister*in, Techniker*in oder Betriebswirt*in). Eine Auflistung mit den geltenden Abschlüssen ist im Internet zum Download verfügbar (ANKOM-Liste).

Für das Ablegen der Hochschulzugangsprüfung wird eine mindestens zweijährige abgeschlossene Berufsausbildung und eine zweijährige hauptberufliche Berufserfahrung in einem dem angestrebten Studium fachlich verwandten Bereich vorausgesetzt. Die Prüfung gliedert sich in einen mündlichen sowie einen schriftlichen Teil und führt zum Erwerb der fachgebundenen Hochschulreife. Mit dem Abschluss in einem Gesundheits-, Pflege- oder Heilberuf kann die Hochschulzugangsprüfung für einen Studiengang am Fachbereich „Pflege und Gesundheit“ an der Hochschule Fulda abgelegt werden.

Seit Ende 2015 besteht ausschließlich in Hessen die Möglichkeit, über den Modellversuch ein Studium an einer Hochschule zu beginnen. Dieser Zugangsweg wird der Fachhochschulreife gleichgestellt. Voraussetzung ist der Abschluss einer dreijährigen anerkannten Berufsausbildung nach dem 01.01.2011 mit einem Schnitt von mindestens 2,5. In den ersten drei Semestern wird eine Studienvereinbarung mit der jeweiligen Hochschule zur Erreichung einer bestimmten Credit-Anzahl getroffen.

Im späteren Berufsleben kann dieser Weg sehr vorteilhaft sein: Neben der fachlichen Expertise durch den Einsatz in der Praxis kann das im Studium erworbene theoretische Wissen gut miteinander verknüpft werden.

Erfahrungsbericht einer Studierenden

Theresa (32)

„Als ausgebildete Ergotherapeutin und sieben Jahren Berufserfahrung habe ich mich dazu entschlossen, ein Studium zu beginnen.“ Die Gründe für diesen Entschluss lagen in dem Wunsch nach einer beruflichen Weiterentwicklung und dem Ausstieg aus der direkten Praxis. „Während meiner Tätigkeit habe ich viele Inhalte hinterfragt, wie z. B. den Abrechnungsprozess der Heilmittelverordnung in den Krankenkassen.“

Vor ein paar Jahren hat Theresa von der Möglichkeit des Studierens ohne Abitur gehört und sich über die verschiedenen Zugangsvoraussetzungen im Internet informiert. Auch hat sie das Beratungsangebot der Zentralen Studienberatung der Hochschule Fulda in Anspruch genommen und eine Infoveranstaltung besucht, bei welcher die Zugangswege und die Hochschulzugangsprüfung vorgestellt wurden.

„Da ich meine Ausbildung vor dem 01.01.2011 beendet hatte, kam für mich der Weg in ein Studium über die Hochschulzugangsprüfung in Frage. Daraufhin habe ich mich angemeldet, um es zu versuchen. In dem mündlichen Teil wurde ich nach meinen beruflichen Vorstellungen und meiner Motivation zum Studium befragt und erhielt einen medizinischen Fachartikel (Gesundheits- und Krankenpflegerin und Medikamentengabe). Nachdem ich diesen gelesen hatte, musste ich hierzu mehrere Fragen beantworten und diesen in meinen eigenen Worten zusammenfassen. In dem schriftlichen Teil erhielt ich mehrere Fragen, die ich unter Herleitung meines erlernten Berufes beantworten sollte.“

Seitdem sind fast drei Jahre vergangen und Theresa steht kurz vor ihrem Bachelorabschluss. Zu Beginn des Studiums war für sie vieles neu gewesen. Doch nun sind die Fragen von damals für sie „banal“, da sie sich nun in der Materie befindet und einen Überblick hat. Beispielsweise war sie bei wissenschaftlichen Artikeln vorher ziemlich „planlos“ gewesen: „Das steht da so und ist so.“ Heute hinterfragt sie die Inhalte auf eine ganz andere Weise und geht dabei analytisch vor.

Sie rät allen Studieninteressierten, die keine schulische Hochschulzugangsberechtigung haben, diesen Schritt zu gehen und es „auf jeden Fall zu versuchen“. Es müsse vorher jedoch auch gut überlegt sein, da eine Umstellung im Kopf stattfinde: „Man hat eigentlich keinen Feierabend und muss für seinen Erfolg auch dranbleiben.“ Feste Ansprechpartner*innen und Unterstützungsmöglichkeiten waren über das gesamte Studium hinweg vorhanden.

Sie ist froh darüber, dass sie sich für ein Studium entschieden hat und nun ihr praktisches Wissen mit der Theorie verknüpfen kann. „Ich habe so viele Erfahrungen sammeln können“, erzählt Theresa rückblickend auf ihr Studium. Besonders durch ihr Praktikum konnte sie wertvolle praktische Einblicke für ihre berufliche Zukunft erhalten. Sie stellte fest, dass ihr der Bereich „Qualitätsmanagement“ besonders viel Spaß macht und sie nach ihrem Abschluss gerne dort arbeiten möchte.

Weitere Informationen und Auskunft zum Thema „Studieren ohne Abitur“ erhalten Sie über verschiedene Ansprechpartner*innen, wie Herr Tim Feldermann - Studienberater und Berater für beruflich Qualifizierte - von der Zentralen Studienberatung.

Besuchen Sie auch die Hochschulseite Studieren ohne Abitur.

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Tim Feldermann

Studienberatung • Beratung für beruflich Qualifizierte

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