Studierende bauen komplexes Hochregallager nach

20.07.2020

Das Modell soll künftig einen stärkeren Praxisbezug zu Themen wie Digitalisierung und Internet der Dinge ermöglichen.

Online einkaufen ist einfach. Ein paar Klicks und die Ware wird geliefert. Die Logistik, die dahintersteckt, ist dagegen hochkomplex. Die Waren liegen in meterhohen Hochregallagern. Sie schnell versenden zu können, erfordert vor allem eines: eine durchdachte Planung.

Drei Studentinnen und drei Studenten im Bachelor-Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen haben daher ein realitätsnahes, digitalisiertes Modell eines komplexen Hochregallagers nachgebaut. Mit ihm lassen sich künftigen Studierenden ohne große Einarbeitung Funktionsweise und Herausforderungen solcher Regallager anschaulich und praxisnah vermitteln. Prof. Dr. Boris Zimmermann, der im Bereich Logistik an der Hochschule Fulda lehrt und forscht, hat das Projekt betreut.

Alles selbst entwickelt

Die Studierenden entwickelten und konzipierten alles selbst: vom Grundriss über die Materialien bis hin zu Anordnung und Aufbau des Hochregallagers. Sie planten den Einsatz ihrer Personalressourcen sowie das Budget und konnten unter Berücksichtigung notwendiger Materialien selbst festlegen, wieviel Geld sie zur Verfügung hatten. „Alle diese Aufgaben erfordern eine Verbindung von wirtschaftlichen und technischen Kompetenzen“, sagt Prof. Zimmermann und betont: „Die Studierenden haben hohe interdisziplinäre Kompetenz bewiesen und anwendungsnah gehandelt.“

In Heimarbeit fertiggestellt

Dass das Projekt trotz Einschränkungen durch die Corona-Pandemie erfolgreich abgeschlossen werden konnte, sei der Eigeninitiative der Studierenden zu verdanken, lobt Prof. Zimmermann. Die Studierenden hätten es in Heimarbeit fertiggestellt. Für ihn zeigt das auch: „Durch studierendengerechte Lernkonzepte lässt sich die intrinsische Motivation fördern.“

Prozesse vorab simulieren

Die Herausforderung, die es zu meistern galt: Ein Hochregallager muss hinsichtlich des Einsatzzwecks geplant werden. Das bedeutet: Alle Prozesse und Laufwege sind vorab zu simulieren. Und es gilt zu klären: Um welches Produkt geht es? Welche Fördertechnik soll zum Einsatz kommen?  Wie sind die Lagerumschlagszeiten? Wie lässt sich der Ein- und Auslagerungsprozess sinnvoll steuern? Wie ist das Zeitmanagement zu gestalten? Wie ist die Technik anzuordnen, um die Produkte möglichst effizient ein- und wieder auszulagern? Wie soll die Lagerverwaltung aufgebaut werden? Welche Lagerverwaltungssoftware sollte eingesetzt werden?

Beispiel für Vollautomatisierung

Über eine selbstgeschriebene Software lässt sich das Modell steuern. So können verschiedene Ein- und Auslagervorgänge simuliert werden. „Das Modell ist ein Beispiel für die Vollautomatisierung der Lager in Deutschland“, erläutert Prof. Zimmermann. Es benötigt lediglich ein Signal, um einen Bestellvorgang abzuwickeln – ganz ohne menschliche Einwirkung. Die Produkte werden bei der Einlagerung automatisch erfasst, auch die Zuordnung des Lagerplatzes erfolgt automatisch. Das System weiß, welches Produkt an welcher Stelle steht und holt bei einer Bestellung dieses Produkt aus dem Lager.

„Wir können das Modell nun in Richtung ausführlicherer Lagerverwaltungssoftware bzw. ERP-System – eine Software zur Steuerung von Geschäftsprozessen – ausbauen, um einen stärkeren Praxisbezug zu Themen wie Digitalisierung und Internet of Things herzustellen“, zeigt Prof. Zimmermann die weiteren Perspektiven auf.

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