Was ist aus Sicht der Fuldaer Kinder eine gute Kita? Ergebnisworkshop eines Studienforschungsprojekts am Fachbereich Sozialwesen.

05.12.2019

Am 27. November 2019 fand am Fachbereich Sozialwesen ein Workshop statt, in dem die Ergebnisse des Studienforschungsprojekts „Qualität in Fuldaer Kitas aus Sicht der Kinder“ vorgestellt wurden. Der Workshop, den etwa 30 Teilnehmer*innen besuchten, wurden von der Sparkasse Fulda gefördert.

Was Qualität in Kindertageseinrichtungen ausmacht ist momentan ein zentrales Thema im Fachdiskurs um frühkindliche Bildung wie auch im politischen Diskurs um die strukturelle Ausstattung von Kindertageseinrichtungen. Die Diskussionen um das sogenannte „Gute-Kita-Gesetz“ zeigen, wie wichtig es ist, nicht nur finanzielle Zuständigkeiten zu klären, sondern Bedingungen zu schaffen, die Kindern Wohlbefinden, Teilhabe und anregende Bildungserlebnisse ermöglichen. Zugleich fällt auf, dass der Personenkreis, für den die Kindertageseinrichtungen zentrale Lebensräume sind, nach wie vor selten zu Wort kommt, wenn es um die Bestimmung von Qualität geht: Die Kinder. Dabei steht seit letztem Jahr in der hessischen Verfassung: „Der Wille des Kindes ist in allen Angelegenheiten, die es betreffen, (…) angemessen zu berücksichtigen“. Das Studienforschungsprojekt „Qualität in Fuldaer Kitas aus Sicht der Kinder“, das am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda im Sommer 2019 durchgeführt wurde, setzte genau da an. Es hatte das Ziel, mehr über die Bedürfnisse und Interessen von Kindern herauszufinden, um auf diese Weise Kinder aktiv in die Gestaltung des Alltags in Kindertageseinrichtungen einzubinden und Anregungen für die pädagogische Praxis zu erhalten. Die Ergebnisse wurden am 27. November im Rahmen eines Workshops präsentiert.

Sie basieren auf mehr als 50 Interviews und Videorundgängen mit Kindern, die von Studierenden des Studiengangs Soziale Arbeit unter Leitung von Frau Professor Dr. Barbara Lochner durchgeführt wurden. Acht Fuldaer Kindertageseinrichtungen hatten dem Projekt dafür ihre Türen geöffnet. Als Unterstützung standen die Mitarbeiter*innen des BMBF-Forschungsprojekts „Kinder als Stakeholder von Kindertageseinrichtungen“ (kurz: KiSte) der Universität Kassel zur Verfügung. Nach einem Fachvortrag von Prof. Dr. Werner Thole und Tom Witton (Uni Kassel) zum Thema „Wohlbefinden, Teilhabe und Entwicklung - Die Sichtweisen von Kindern als Gradmesser für Qualitätsentwicklung“, berichteten im Workshop Ellen Luzum (Studierende der HS Fulda), Prof. Dr. Barbara Lochner (HS Fulda), und Stephanie Simon (Uni Kassel) von dem Projekt und präsentierten die  Ergebnisse. Zentrale Befunde des Projekts sind:

  • Die Kinder wollen sich als Mitverantwortliche ihre Kita verstanden wissen. Dafür müssen Regeln transparent, nachvollziehbar und umsetzbar sein und Möglichkeiten zum Mitbestimmen und zum Mitmachen bestehen. 

  • Die Gemeinschaft der Kinder stellt einen wesentlichen Bezugspunkt für die Kinder dar. Hier finden sie Anregungen, Herausforderungen und Spaß. Zugleich äußern aber auch viele Kinder im Interview das Bedürfnis nach Rückzugsmöglichkeiten vom Trubel der Gemeinschaft – und dem Blickfeld der Pädagog*innen. Dies gilt es zu respektieren.

  • Obwohl die Kinder explizit nach ihrem Wohlbefinden in der Einrichtung gefragt wurden, thematisieren viele Kinder ihre Familie. Es scheint für die Kinder sehr wichtig zu sein, dass sie in der Einrichtung an ihre familiären Erfahrungen anschließen können, dass dafür Interesse gezeigt wird und sie Verbindungen zwischen ihrem Leben in der Familie und der Einrichtung herstellen können.

  • Kinder wollen sich bewegen und dabei ausprobieren können. Sie thematisieren explizit Bewegungsformate, in denen sie an ihre Grenzen gehen und ihre Fähigkeiten erweitern können. Kommt eine im November 2019 erschienene WHO-Studie zu dem Ergebnis, dass mehr als 80 Prozent der über 11jährigen sich zu wenig bewegen, dann zeigt unsere Studie: In der Kita ist die Bewegungsfreude und der Bewegungsdrang noch sehr hoch. Das sollte durch alltägliche Freiräume zum Experimentieren und Grenzen Ausloten unterstützt werden. 

Prof. Dr. Barbara Lochner

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