Weniger CO2-Ausstoß im innerstädtischen Schwerlastverkehr

19.01.2022

Ein Projekt der Hochschule Fulda und des Baustoffhändlers Stark Deutschland GmbH will schwere E-Lkw in der Logistik einsetzbar machen.

E-Lkw können die CO2-Bilanz selbst beim derzeitigen Strommix sichtbar verbessern. Den größten Hebel bieten Fahrzeuge ab 12 Tonnen. Doch im Schwerlastbereich gewerblicher Verkehre ist der Anteil an E-Lkw bislang gering. Das Problem: Es mangelt an Realdaten, auf deren Basis Unternehmen eine Dekarbonisierungs-Strategie für ihren Fuhrpark entwickeln können. Ein gemeinsames Projekt der Hochschule Fulda und des Baustoffhändlers Stark Deutschland GmbH will diese Daten für einen 26-Tonner im urbanen Raum durch Anwendungstests erheben und eine wissenschaftlich abgesicherte Strategie entwickeln. Die Ergebnisse sollen anderen Unternehmen helfen, denselben Weg zu beschreiten.

Welche Dieselfahrzeuge und Touren lassen sich im innerstädtischen Schwerlastverkehr unter den derzeitigen Rahmenbedingungen schon durch E-Lkw ersetzen? Das wollen die Hochschule Fulda und die Stark Deutschland GmbH über Anwendungstests im Alltag und Tourenanalysen erheben. Die Stark Deutschland GmbH wird dazu zur Kundenbelieferung von ihrem Raab Karcher-Standort in Frankfurt am Main aus ein 3-Achs Verteilerfahrzeug einsetzen, betrieben durch einen 264-kW-Elektromotor. Laut Hersteller hat es eine Reichweite von maximal 200 km. Das Projekt fokussiert einen Bereich, der den größten Hebel zur CO2-Reduktion im Straßengüterverkehr bietet: Fahrzeuge mit mehr als 12 Tonnen Gesamtgewicht. In Deutschland verursacht der Straßengüterverkehr etwa neun Prozent der CO2 -Emissionen (CO2-Äquivalent). Fahrzeuge mit mehr als 12 Tonnen Gesamtgewicht sind für rund fünf Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich.

Ziel des Projekts ist es, mindestens 20 bis 30 Prozent des Fuhrparks der Stark Deutschland GmbH am Standort Frankfurt bis 2025 durch den Einsatz von E-Lkw zu dekarbonisieren – eine entsprechende Weiterentwicklung im Bereich der Batterietechnik vorausgesetzt. Die Strategie und die während des Projekts gesammelten Erfahrungen sollen der Öffentlichkeit im Rahmen eines Handlungsleitfadens bereitgestellt werden, sodass andere Unternehmen die Erkenntnisse auf ihre Nahverkehre im urbanen Raum anwenden können. Das Projekt läuft bis Oktober 2023 und wird vom Hessischen Wirtschaftsministerium mit rund 443.000 Euro gefördert. 

Beim derzeitigen Energiemix in Deutschland kann der Einsatz eines E-Lkw mit circa 26 Tonnen Gesamtgewicht den jährlichen CO2 -Ausstoß um bis zu 40 Tonnen reduzieren, hat Professor Dr. Boris Zimmermann berechnet. Er ist Logistiker im Fachbereich Wirtschaft an der Hochschule Fulda und leitet das Projekt. Dabei sind die Emissionen, die durch die Herstellung der Batterie und durch den derzeitigen deutschen Strommix entstehen, bereits berücksichtigt. Zusätzlich, so betont er, werde der lokale Feinstaub um mindestens 50 Prozent reduziert, die Stickstoffoxid-Emissionen verringerten sich sogar um 95 Prozent. Das Projekt leiste damit auch einen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen im Stadtgebiet Frankfurt. „Wir wollen Wege aufzeigen, wie Unternehmen schon jetzt damit beginnen können, auf E-Lkw umzustellen“, sagt Professor Zimmermann.

Der Knackpunkt: Effiziente Dekarbonisierungs-Strategien
Bis 2040 könnten seinen Berechnungen zufolge durch staatliche Zuschüsse in Höhe von 25 bis 35 Milliarden Euro etwa 200.000 Lkw mit mehr als 12 Tonnen Gesamtgewicht dekarbonisiert werden, inklusive Aufbau der dafür notwendigen Ladesäulen bei den Unternehmen. Die letzten Schritte zur vollständigen Dekarbonisierung, wenn der Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien gewonnen wird, würden insgesamt weitere acht Milliarden Euro kosten, so der Wissenschaftler. Die CO2 -Emissionen des schweren Straßengüterverkehrs lägen dann bei etwa 0,5 Prozent der gesamten Emissionen. „Dieses Ziel lässt sich nur erreichen, wenn die Unternehmen effiziente Dekarbonisierungs-Strategien entwickeln können“, betont Professor Zimmermann. „Das ist eine der Kernaufgaben des Projekts. Es übernimmt auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle, da es bisher in Deutschland keine wissenschaftlich abgesicherte Dekarbonisierungs-Strategie des Schwerlastverkehrs in Ballungsgebieten gibt.“

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