Wer bestimmt, wie wir leben und sterben?

09.06.2016

Prof. Dr. Anne Schäfer, M.A. spricht über das Verbot der geschäftsmäßigen Förderung des Suizids, das dem deutschen „Sterbetourismus“ in die Schweiz entgegenwirken soll.

Gesetzlich vorbestimmte Selbstbestimmung und die Frage: wer bestimmt, wie wir (am Ende) leben und sterben?

Teil II

Das strafrechtliche Verbot der geschäftsmäßigen Förderung des Suizids – ein richtiger Weg für die Regulierung der Selbstbestimmung am Lebensende?

Mit dem Verbot der geschäftsmäßigen Förderung des Suizids (§ 217 StGB), das im Dezember 2015 in das deutsche Strafgesetzbuch eingefügt wurde, soll dem deutschen „Sterbetourismus in die Schweiz“ (FAZ, 24.8.2015) Einhalt geboten werden. Die Regelung, die bei (schwerkranken) Patienten, Angehörigen und insbesondere Ärztinnen und Ärzte zu neuer Rechtsunsicherheit beigetragen hat, ist das Ergebnis hoch kontroverser Auseinandersetzungen im Bundestag und der Öffentlichkeit.

Mehr als 100 deutsche Strafrechtslehrer lehnten öffentlich eine weitere strafrechtliche Regelung ab. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin sah sich gezwungen, die Strafrechtslehrer öffentlich zu korrigieren, ebenso die ehemalige Vorsitzende Richterin des Bundesgerichtshofs, Ruth Rissing-van Saan. Prominente Mediziner und auch Experten aus dem europäischen Ausland, in dem sich die Regulierungen des Sterbehilferechts ganz unterschiedlich gestalten, nahmen Stellung und positionierten sich zum Teil dahingehend, dass die Erfahrungen im internationalen Vergleich belegen würden, dass eine rechtliche Zulässigkeit von Tötungshandlungen und der Assistenz zum Suizid zu einem dramatischen Anstieg der Fälle aktiver Sterbehilfe und des ärztlich assistierten Suizids führen würde.

Der Vortrag von Anne Schäfer, Professorin für Sozial- und Gesundheitsrecht an der Hochschule Fulda, stellt die deutsche Neuregelung des § 217 StGB vor und bewertet die Regelung für die Praxis. Im Vordergrund steht dabei ein interdisziplinärer Zugriff auf die Materie. Neben verfassungsrechtlichen Grundüberlegungen werden vor allem Sterbehilfe-Regelungen anderer europäischer Länder im Vordergrund stehen sowie sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse in diesem Bereich.

Der Vortrag findet am 14. Juni 2016 ab 18.15 Uhr an der Hochschule Fulda statt.
Raum S001 (Gebäude 10, SSC)

Die Veranstaltung ist kostenfrei sowie öffentlich und barrierefrei zugänglich.

Kontakt

Prof. Dr.

Anne Schäfer, M.A.

Sozial- und Gesundheitsrecht, Verfassungsrecht, Europäisches Berufsrecht

Gebäude 23 , Raum 012
Prof. Dr.Anne Schäfer, M.A.+49 661 9640-4667
Sprechzeiten
Donnerstag: 14:00–15:00 Uhr

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