Wie Einrichtungen der Gesundheitsversorgung die Gesundheitskompetenz fördern können

23.07.2021

Mit Krankenhäusern, Einrichtungen der Pflege und der Eingliederungshilfe in Sachsen und Thüringen entwickelt die Hochschule Fulda eine anwenderfreundliche digitale Toolbox, um die Gesundheitskompetenz in den Einrichtungen zu stärken.

Die Corona-Pandemie stellt vor allem Einrichtungen der Gesundheitsversorgung (d. h. Krankenhäuser, Einrichtungen der Pflege und der Eingliederungshilfe) vor besondere Herausforderungen. Auch der Umgang mit gesundheitsbezogenen Informationen hat während der Pandemie deutlich zugenommen. So kann die Flut an Informationen rund um die Corona-Pandemie als eine Art Informations-Pandemie („Infodemie“) bezeichnet werden. Je gesundheitskompetenter die Arbeits- und Rahmenbedingungen gestaltet sind, desto einfacher kann mit diesen Herausforderungen im Berufs- und Alltagsleben und mit Informationen zur Gesundheit und zu Corona-Pandemie umgegangen werden.

„Wie wichtig es ist, Gesundheitsinformationen adressatengerecht und leicht zugänglich anzubieten, damit Beteiligte kompetent mit Gesundheitsinformationen umgehen und sich im Gesundheitswesen zurecht finden zu können, hat die Corona-Pandemie einmal mehr vor Augen geführt", betont Professorin Dr. Katharina Rathmann.

Das Konzept der gesundheitskompetenten Einrichtung bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Gesundheitskompetenz und damit den Umgang mit Gesundheitsinformationen und Herausforderungen im Berufs- und Alltagsleben der Mitarbeitenden und Patient*innen, Bewohner*innen, Klient*innen und deren Angehörigen zu stärken.

Auf dem Weg zur gesundheitskompetenten Einrichtung

In dem von der AOK PLUS geförderten Projekt „Entwicklung der Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung (EwiKo)“ entwickelt die Hochschule Fulda – unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Katharina Rathmann – eine digitale Toolbox und ein Maßnahmenkonzept, um die Einrichtungen auf dem Weg zur gesundheitskompetenten Einrichtung zu fördern und zu begleiten.

Die Gesundheitskompetenz einer Einrichtung lässt sich in acht Handlungsfeldern stärken (z. B. Leitbild und Einrichtungskultur, Schulung der Mitarbeitenden, Kommunikation und Informationsmaterialien). Das Projekt EwiKo bewegt sich an der Schnittstelle zur Betrieblichen Gesundheitsförderung und zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement und zielt auf die Mitarbeitenden und das Leitungspersonal in den Einrichtungen ab.

Gemeinsam mit den Einrichtungen der Gesundheitsversorgung möchten wir Selbstchecks und Tools zur Stärkung der Gesundheitskompetenz testen und zur Anwendung bringen, auf die die Beschäftigten in den Einrichtungen zurückgreifen können." so Frau Professorin Rathmann.

Anwenderfreundliche und praktische Unterstützung

Die Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung wird mittels Selbstcheck erhoben und zielt auf die Handlungsfelder einer gesundheitskompetenten Einrichtung ab. Nach wissenschaftlicher Auswertung der Ergebnisse und der Ermittlung von Bedarfen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz, können die Einrichtungen aus verschiedenen Tools zur Stärkung der Gesundheitskompetenz wählen. Um bspw. im Handlungsfeld „Kommunikation“ sicherzustellen, dass Patient*innen, Bewohner*innen, Klient*innen und Angehörige vermittelte Gesundheitsinformationen verstanden haben, können Mitarbeitende unter anderem auf das Tool „Zurückerklären“ zugreifen. Beim Zurückerklären geht es um die Wiederholung des Gesagten in eigenen Worten. So können die Mitarbeitenden einschätzen, ob die vermittelten Informationen verstanden wurden. „Unser Ziel ist es, den Einrichtungen eine anschauliche, anwenderfreundliche und praktische Unterstützung zur Stärkung der Gesundheitskompetenz an die Hand zu geben, mit deren Hilfe sie die Ressourcen ihrer Mitarbeitenden fördern können", sagt Professorin Rathmann. „Davon profitieren auch Patient*innen, Bewohner*innen, Klient*innen, und deren Angehörige oder Betreuungspersonen, weil die Einrichtungen es ihnen erleichtern, sich zurechtzufinden und relevante Informationen zu verstehen."

Den Hintergrund für das Projekt bildet der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz. Er fordert, das Gesundheitswesen auf allen Ebenen nutzerfreundlich und gesundheitskompetent zu entwickeln. Studien hatten gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland Schwierigkeiten haben, relevante Informationen zur Gesundheit zu finden, diese zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden. Auch gibt es Hinweise, dass Personen, die Schwierigkeiten im Umgang mit gesundheitsbezogenen Informationen haben, häufiger einen schlechteren Lebensstil für die Gesundheit, eine schlechtere Lebensqualität und eine geringere Lebenserwartung aufweisen als jene, die ohne Schwierigkeiten mit gesundheitsbezogenen Informationen umgehen und sich im Gesundheitswesen zurecht finden zu können.

Die Toolbox im Praxistest

In einer Online-Befragung erfasste das Team der Hochschule Fulda zunächst die Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung in Sachsen und Thüringen. Um zu ermitteln, wie sich die Gesundheitskompetenz stärken lässt, entwickelten sie einen Selbstcheck. „Die Rückmeldungen aus der Praxis haben uns gezeigt, dass die Einrichtungen noch Bedarf bei der Stärkung der Gesundheitskompetenz haben", sagt Professorin Rathmann. Mit ihrem Team stellt sie im nächsten Schritt eine Toolbox zusammen, die nach den acht Handlungsfeldern einer gesundheitskompetenten Einrichtung aufgebaut ist. Die Toolbox beinhaltet Tools und Materialien, die zur Stärkung der Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung angewendet werden können (z. B. Gesprächstechniken wie „Häppchenweise informieren“, unterstützende Checklisten und Materialien für die Umsetzung).

Im Sommer dieses Jahres sollen Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz auf Basis dieser aufbereiteten Tools in ausgewählten sächsischen bzw. thüringischen Einrichtungen erprobt werden. Mit Hilfe des Selbstchecks sollen individuelle Bedarfe erhoben und partizipativ mit allen Beteiligten ein Maßnahmenkonzept entwickelt werden. Informationen zum EwiKo-Projekt finden Sie hier.

Bereitstellung der Projektergebnisse

Das Projekt wird von der AOK PLUS gefördert und läuft bis Ende 2022. Bis dahin sollen alle Projektergebnisse auf der Website verfügbar sein.

Projektleitung

Prof. Dr.

Katharina Rathmann

Sozialepidemiologie und Gesundheitsberichterstattung

Gebäude 25 , Raum 105
Prof. Dr.Katharina Rathmann+49 661 9640-6418
Sprechzeiten
nach Voranmeldung per E-Mail
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