Wirtschaftsrechtler fahren zum größten Geflügelschlachthof Europas

09.07.2017

Am 7. Juli 2017 fuhr der Kurs Umweltrecht des Studiengangs Wirtschaftsrecht zum größten Geflügelschlachthof Europas in Wietze, Landkreis Celle. Nach einem langen, heißen Tag fuhr die Gruppe voll mit neuen Eindrücken, aber ohne gekaufte Geflügelteile nach Fulda zurück.

Im Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Fulda ist ein neuer Studiengang angesiedelt, der gemeinsam mit dem Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften durchgeführt wird: Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Ethik. Der erste Jahrgang dieses Studiengangs durchläuft im 6. Semester einen Kurs Umweltrecht, der von Professor Dr. Christian Schrader geleitet wird. Die systematische Bearbeitung des Umweltrechts wird durch eine fallbezogene Bearbeitung am Beispiel der Massentierhaltung von Geflügel vertieft. Der Geflügelmarkt in Deutschland wird unter anderem von einem Familienunternehmen geprägt, die von der Einfuhr von Futtermitteln über eine Kükenbrüterei bis hin zu Schlachthöfen die gesamte Wertschöpfungskette der Herstellung von Hühnerfleisch integriert bedient. Dieses Unternehmen baute 2010 im Osten Niedersachsens einen neuen Schlachthof, der auf eine Kapazität von 27.000 Hähnchen pro Stunde ausgelegt ist. Die Investitionen, das Genehmigungsverfahren und eine anschließende Klage fanden in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit. Anhand der rechtlichen Originalunterlagen aus Genehmigung, Klage und Überwachung hatten sich die Studierenden im Kurs mit der rechtlichen Seite des Betriebs vertraut gemacht.

Die Exkursion führte zunächst zur Überwachungsbehörde, dem Gewerbeaufsichtsamt Celle. Der Behördenleiter stellte die vielfältigen Aufgaben der Gewerbeüberwachung vor und konnte so einen lebendigen Eindruck von der Umweltüberwachung vermitteln. Anschließend fuhr die Gruppe zum Schlachthof. Das Unternehmen hatte es leider trotz mehrfacher Anfrage nicht ermöglicht, den Betrieb von innen zu sehen. So blieb es nur, den öffentlich zugänglichen Werksverkauf anzusehen und ansonsten das große Betriebsgelände außerhalb des Zauns zu erwandern. Anschließend fand ein Treffen mit der örtlichen Bürgerinitiative statt, die sich bei Bekanntwerden der Investitionsabsicht gebildet hatte und das Genehmigungsverfahren sowie anschließend eine verwaltungsgerichtliche Klage mit durchgeführt hatte. Ein juristischer Knackpunkt des Genehmigungsverfahrens war, dass die in der Betriebskläranlage gereinigten Abwässer in den nahe gelegenen Fluss Aller eingeleitet werden, der an dieser Stelle Naturschutzgebiet ist. Die Gruppe unterrichtete sich im Gebiet, wie mithilfe von Rindern und Pferden der ursprüngliche Charakter einer historischen Hutweide erhalten werden soll.

Auf der Rückfahrt nach Celle führten die vielfältigen Eindrücke zu vielen Diskussionen. Noch lebhafter wurde diskutiert, dass auf der Gegenseite der Autobahn etliche Polizeikolonnen mit Blaulicht nach Hamburg fuhren, wo nach Ausschreitungen während des G20-Gipfels polizeiliche Verstärkung angefordert worden war.

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