Zweite Professur für Hebammenkunde an der Hochschule Fulda

07.10.2020

Mit Start des neuen dualen Ausbildungskonzepts baut die Hochschule Fulda den Studiengang Hebammenkunde weiter aus.

Dr. Katharina Rost (44) hat die zweite, neu eingerichtete Professur für Hebammenkunde an der Hochschule Fulda übernommen. Die Wahlnürnbergerin ist auf ihre künftige Aufgabe bestens vorbereitet. Bereits 2018 kam sie als Vertretungsprofessorin an die Hochschule Fulda. Zwei Jahre zuvor war sie schon einmal an der Hochschule Fulda tätig: als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsprojekt.

Es sind vor allem ihre umfassenden Erfahrungen in der außerklinischen Geburtshilfe, mit denen Professorin Rost den Studiengang bereichert. Von 2002 bis 2018 war sie – von kurzen Unterbrechungen abgesehen – als freiberufliche Hebamme tätig. In dieser Zeit betreute sie Hausgeburten sowie Geburten in Geburtshäusern, machte Wochenbett- und Schwangerschaftsbetreuung, bot Geburtsvorbereitungskurse an und Schwangerenvorsorge. Sie arbeitete mit Frauen in Flüchtlingsunterkünften und gründete gemeinsam mit einem Hebammenteam das Geburtshaus Erlangen. Aber auch aktuelle klinische Erfahrungen bringt sie mit. Bevor sie die Vertretungsprofessur an der Hochschule Fulda annahm, arbeitet sie noch einmal in einer großen Klinik mit dreieinhalbtausend Geburten im Jahr. „Das hat sich für den Studiengang als sehr praktisch erwiesen“, sagt sie.

Professorin Dr. Katharina Rost absolvierte zunächst an der Hebammenschule in Würzburg ihre Berufsausbildung. An der Caledonia University Glasgow erwarb sie einige Jahre später ihren Bachelor-Abschluss in Midwifery Science. Es folgte der Master of Science Public Health im Studiengang Health & Society: International Gender Studies an der Charité Berlin. Promoviert wurde sie an der Universität Osnabrück im Fachbereich Gesundheitswissenschaften. Lehrerfahrung sammelte sie als Lehrbeauftrage im Franchisestudiengang der Fachhochschule Münster am Standort Nürnberg (jetzt Willhelm-Löhe Hochschule Fürth) im Studiengang Berufspädagogik im Gesundheitswesen.

Im Studiengang Hebammenkunde an der Hochschule Fulda lehrt sie nun vor allem praktische Hebammenarbeit. Ihre Forschungsschwerpunkte sind der Umgang mit pränataldiagnostischen Diagnosen sowie berufsbiographischen Entscheidungen. „Unsere Erfahrungen ergänzen sich gut“, beschreibt Professorin Rost die Aufgabenteilung mit ihrer Kollegin, Professorin Dr. Babette Müller-Rockstroh, die bereits seit Start des Hebammen-Studiengangs an der Hochschule Fulda lehrt und mit der sie sich die Studiengangsleitung teilt. Was beide gleichermaßen mitbringen, sind Auslandserfahrungen. „Wir haben beide Erfahrungen mit dem Arbeiten unter einfachen Bedingungen gesammelt und versuchen, das auch in das Studium einfließen zu lassen“, sagt Professorin Rost. Sie selbst hat unter anderem mehrere Monate als Hebamme in einem Krankenhaus in Malawi gearbeitet und war im Rahmen von Ärzte ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo im Einsatz.

In den vergangenen eineinhalb Jahren hat sie daran mitgearbeitet, den Studiengang an der Hochschule Fulda dem neuen Hebammenausbildungsgesetz anzupassen, das seit Januar 2020 in Kraft ist. „Die vorlesungsfreie Zeit im letzten Jahr war extrem arbeitsintensiv, weil wir die neue Prüfungsordnung sehr schnell entwickelt haben“, weiß sie zu berichten. „Jetzt freuen wir uns, eine der ersten Hochschulen zu sein, die es tatsächlich geschafft haben, ein Curriculum zu entwickeln, das an den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen orientiert ist. Das hat den großen Vorteil, dass die Studentinnen, die zum Wintersemester 2020/2021 ihr Studium in Fulda beginnen, bereits einen Vertrag mit einer Klinik haben und eine Vergütung erhalten.“

Für die Umstellung auf das neue Ausbildungskonzept hatte die Hochschule Fulda aus ihrer Sicht beste Ausgangsbedingungen, „Wir mussten nicht bei null anfangen“, hebt Professorin Rost hervor. “Die Skills-Labore sind eingerichtet. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Professor*innen haben bereits jahrelang Erfahrungen gesammelt, weil der Studiengang Hebammenkunde schon seit 2012 an der Hochschule Fulda läuft. So können wir jetzt nahtlos zur neue Prüfungsordnung übergehen und den Studiengang weiter optimieren.“ Im nächsten Jahr werden sich die Studienbedingungen noch einmal verbessern. Dann zieht der Studiengang in einen Neubau, der derzeit auf dem Campus entsteht und mit großzügigen Laborräumen ausgestattet sein wird.


Hintergrundinformation
Bereits zum kommenden Wintersemester bietet die Hochschule Fulda den an die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen angepassten Studiengang Hebammenkunde an. Angehende Hebammen werden in Deutschland künftig in einem dualen Studium ausgebildet und verbinden damit ein wissenschaftliches Studium mit einer beruflichen Ausbildung.

Als zuständige Landesbehörde hat das Regierungspräsidium Darmstadt das Studienziel und den modularen Lehrplan des Studiengangs Hebammenkunde an der Hochschule Fulda geprüft und als gelungene Verzahnung zwischen Theorie und Praxis einer modernen Hebammenausbildung gewertet. Der neue Bachelor-Studiengang umfasst sieben Semester und schließt mit dem „Bachelor of Science“ ab, zusätzlich wird durch das Regierungspräsidium Darmstadt die Berufserlaubnis für Hebammen erteilt.

Mehr als 40 Studentinnen werden voraussichtlich zum Wintersemester 2020/2021 den Hebammen-Studiengang nach dem neuen Ausbildungskonzept beginnen. In den kommenden Jahren soll die Zahl der Studienplätze deutlich ausgebaut werden.

Die Herausforderung besteht momentan darin, wissenschaftlich qualifiziertes Personal für Lehre und Forschung zu finden. Denn bislang ist in Deutschland nur ein geringer Teil der Hebammen akademisch qualifiziert. Das Fachgebiet muss in Zukunft seinen wissenschaftlichen Nachwuchs selbst ausbilden. Der Weg zur Promotion steht an der Hochschule Fulda jetzt schon offen. Zwei Hebammen promovieren derzeit im Promotionszentrum Public Health.

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