Zwischen Beatles & Biofeedback

12.07.2018

Eindrücke des International Biomechanical User Meeting an der Liverpool Hope University

Ladies and gentlemen, welcome onboard Flight FR2418 with service from Frankfurt to Liverpool. Please fasten your seatbelts and bring your seats and table trays in the upright position for landing. Endlich. Gleich ist es so weit. Das Fahrwerk fährt aus und... Touchdown. Angekommen im Vereinten Königreich. Für die Trauung von Megan und Harry bin ich leider zu spät. Der Anlass meiner Reise ist aber ohnehin viel spannender als eine royale Hochzeit.

Die altehrwürdige Liverpool Hope University öffnet die Tore ihres Biomechanical & Research Laboratory und lädt ein zum zweitägigen internationalen User Meeting. Ich freue mich auf zwei prall gefüllte Tage, an denen sich etwa 40-50 Forscher*innen und Therapeut*innen aus verschiedenen Disziplinen und Ländern im Bereich Biomechanik auszutauschen.

Professor Atulya Nagar, Dekan der Faculty of Health Science, eröffnet die Konferenz und weiß von der beinahe 175-jährigen Geschichte der Hope University zu berichten, die nach der Verbindungsstraße zweier alter Kathedralen, der Hope Street, benannt ist.

Die Beiträge sind sehr vielseitig und liefern die neuesten Erkenntnisse aus Forschung und Praxis, die ich für unsere Studierenden zurück nach Fulda bringen möchte.

Der erste Beitrag in der Lecture Hall des Eden Wing der weitläufigen und sehr liebevoll angelegten Campusuniversität gibt einen Einblick in die Schulterrehabilitation nach Rotatorenmanschettenrupturen. Professor Omid Khaiyats präsentiert Forschungsergebnisse und Einsatzgebiete der Elektromyografie (EMG) und Inertialsensorik (IMU) zum Aufmerksamkeits-Training bei Kindern mit Entwicklungs- und Koordinationsstöruingen oder zum Monitoring der Schultermuskulaturaktivierung beim Training auf Vibrationsplatten oder beim Wurftraining von Athleten. Mark Lake vom Research Institute for Sport and Exercise Science der Liverpool John Moores University beleuchtet die myografisch erfassbaren Effekte beim Lauftraining mit besonderem Fokus auf die Kniegelenke. Er berichtet, dass die Oberschenkelmuskulatur bei Kurz- und Langstreckenläufern sehr unterschiedlich aktiviert wird. Seine Forschungsgruppe stützt bereits bestehende Modelle zur Kniegelenks- und Sehnensteifigkeiten mit Hilfe der Elektromyografie.

Den Vorträgen folgen Workshops, bei denen die Erkenntnisse praktisch erprobt werden. Nicolas Studholme gibt dabei Einblicke in seine Methodik zur Analyse von Bewegungsprofilen (Bewegungsabläufe, Achsabweichungen von Gelenken), die er unter anderem zur Beratung von Spitzenfußballteams der Primera Division und Premier League nutzt. Die Workshop-Sequenzen mit Laufbändern, Motion Capturing und Beschleunigungssensoren sind sehr lehrreich und praxisnah gestaltet. An allen Stationen sind begeisterte, sich austauschende und konzentriert arbeitende Teilnehmer*innen. Auch ich bin begeistert und erstaunt von der Herausforderung meinen eigenen Körperschwerpunkt auf einer Kraftmessplatte während der Absprung- und Landephase exakt in allen drei Dimensionen auszutarieren und kann mir sehr gut vorstellen, wie sich die Skispringer am Schanzentisch und bei der Landung fühlen müssen.

Auf dem Rückflug in die Heimat schaue ich etwas wehmütig aus dem kleinen Fenster über die Tragfläche der Boeing und das schöne Liverpool, mit seinen alten Backsteingebäuden, verschwindet langsam in der Ferne. Während mich die letzten Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne blenden muss ich lächeln und freue mich darauf, die neuen Ideen, Kenntnisse und Ansätze in unseren biomechanischen Laborräumen gemeinsam mit unseren Physiotherapiestudierenden zu erproben.

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Kontakt

Christian Baumann

Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Studiengang Physiotherapie

Gebäude 26 , Raum 115
Christian Baumann+49 661 9640-6024
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