High five mit einer Biene – und Goethe goes Google

06.12.2018

Im voll besetzten "Kreuz"-Saal traten fünf Slammer*innen an, die aus ganz Deutschland angereist waren.
Foto: Uli Mayer/Hochschule Fulda

Beim 10. Fuldaer Science Slam im KuZ Kreuz hatten die Slammer*innen jeweils zehn Minuten Zeit, um das Publikum mit ihren Vorträgen zu begeistern ─ und das gelang ihnen großartig.

Ob als freier Vortrag zu „Goethe goes Google“, den der 62-jährige Naturwissenschaftler Dr. Jaromir Konecny zum Thema Robotik/künstliche Intelligenz/Sprachintelligenz hielt, oder als Powerpoint-Präsentation mit sage und schreibe 90 Folien, die der spätere Sieger Tobi Glufke im Schnellsprechmodus vortrug: die Vortragenden schöpften das volle Spektrum der rhetorischen Möglichkeiten aus.

So gelang es auch der angehenden Soziologin Fabienne Pasternak, das durchaus ernste Thema sexuelle Orientierung („Lesbische Sichtbarkeit: Das Hella von Sinnen - Anne Will Dilemma“) mit Witz und Verve ans Publikum zu bringen.

Kampf dem Bienensterben
Kann man ein flächendeckendes Bienensterben noch verhindern? Vielleicht, wenn man die „CSI Bee“ ihre Arbeit machen lässt, die von Andrea Hernsen vorgestellt wurde. Die Chemikerin entwickelt eine Methode, um kleinste Mengen verschiedener Pestizide aufspüren zu können. Gelingt es, deren Einsatz in der Landwirtschaft zu minimieren, wäre für das Überleben der Bienen viel gewonnen. Und die Insekten danken es ihr: mit einem High-five-Handshake zwischen Biene und Forscherin im Video, ein Highlight ihres Vortrages.

Mit heißem Herz stellte Dennis Schulz sein eigentlich eiskaltes Thema vor: Der Physiker berichtete über seine Dissertation, während der er einen Detektor entwickelt. Das Gerät muss bis knapp über den absoluten Nullpunkt von -273 Grad heruntergekühlt werden, um kleinste Temperaturunterschiede messen zu können, die die von ihm gemessenen Teilchen auslösen.

Zu gewohnt großer Form lief im voll besetzten Kreuz-Saal auch das Moderatoren-Duo auf: Lars Ruppel, Star der deutschen Slammer-Szene stand zum ersten Mal nach zwölfwöchiger Babypause wieder auf einer Slammer-Bühne und brillierte mit Charme und Wortwitz. Sascha Skorupka, als gestandener Professor für Physik und Technik eigentlich dem Slammer-Alter entwachsen, zeigte sich beim Powerpoint-Karaoke zum Aufwärmen auch auf wissenschaftlich völlig fremden Terrain absolut sattelfest.

Minutenlanger Applaus für den Sieger
Fast zur Nebensache wurde dann die Entscheidung der Publikumsjury: Den Sieg trug der Hallenser Wirtschaftswissenschaftler Tobi Glufke davon, der im Slam seine Dissertation zum Thema „Quo Vadis Orchester. Eine deutsche Bestandsaufnahme“ vorstellte, und dabei einen Parforceritt durch Musikgeschichte, Orchesterökonomie und gesellschaftlichen Wandel hinlegte. Er erhielt 54 von möglichen 60 Punkten, minutenlanger Applaus begleitete den erfahrenen Slammer von der Bühne hinunter.

Als einzige kleine Träne im Augenwinkel an diesem Abend könnte man nennen, dass erneut keine Slammer*innen aus der Region Fulda am Start waren. Das aber muss nicht so bleiben – immerhin saß im Publikum der amtierende Euromeister des Wettbewerbs „Jugend forscht“, und Moderator Ruppel ließ nichts unversucht, um ihn bereits für eine der kommenden Veranstaltungen zu verpflichten.

Der Science Slam wird vom MINTMachClub Fulda veranstaltet. Der nächste Termin ist der 31. Januar 2019.

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