Wunsch nach verlässlicher Finanzierung

23.10.2018

Stellten sich den Fragen zur künftigen Hochschulpolitik: die Vertreterinnen und Vertreter der hessischen Landtagsfraktionen. Den Impulsvortrag hielt Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar. (Foto: Nicole Dietzel)

Hochschulpräsident Karim Khakzar plädiert bei Podiumsdiskussion für sichere Rahmenbedingungen der Hochschulen, um die Betreuungssituation der Studierenden möglichst noch zu verbessern.

Wie müssen die politischen Weichen gestellt werden, um bestmögliche Rahmenbedingungen für die Hochschule Fulda und die hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) sicherzustellen? Darüber debattierten die Vertreterinnen und Vertreter aller Landtagsfraktionen vergangenen Donnerstag (18.10.) an der Hochschule Fulda: Karin Wolff (CDU), Prof. Dr. Tanja Brühl (parteilos, Mitglied des Schattenkabinetts der SPD), Daniel May (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Daniela Mehler-Würzbach (DIE LINKE) und Wiebke Knell (FDP). Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar hatte zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Und das aus gutem Grund: Nach der Landtagswahl wird der Hessische Hochschulpakt neu verhandelt. Dann wird sich entscheiden, welche Mittel den Hochschulen 2021 bis 2025 für Lehre und Forschung zur Verfügung stehen werden.

Moderator Hermann Diel vom Hessischen Rundfunkt führte kompetent und humorvoll durch den Abend. Eines der Kernthemen war der starke Aufwuchs von Studienplätzen an den HAWs in den vergangenen Jahren und die damit verbundene Frage, wie sich vor diesem Hintergrund die Qualität in der Lehre sicherstellen lässt. Was den Fuldaer Hochschulpräsidenten besonders bewegt, ist die Frage, nach welchen Kriterien die Mittel künftig verteilt werden. Denn das ist noch umstritten. Fest steht bislang nur, dass die Sondermittel von Bund und Ländern, mit denen die neuen Studienplätze finanziert werden, verstetigt werden sollen. „Wir fordern, dass jene Hochschulen, die in den vergangenen Jahren in erheblichem Umfang Studienplätze aufgebaut haben, diese Mittel auch weiterhin erhalten“, sagte er. 30 Prozent des Budgets an HAWs machten diese inzwischen aus.

Für eine bessere Betreuungsrelation

„Die Hochschule Fulda ist in den vergangenen zehn Jahren von 4500 auf über 9000 Studierende gewachsen. Und die Studierendenzahlen sollen auch weiterhin hoch bleiben. Wir benötigen daher Mittel mindestens in der bisherigen Größenordnung, um die Professuren auch weiterhin finanzieren zu können und die Betreuungsrelationen in Zukunft idealerweise zu verbessern“, argumentierte der Fuldaer Hochschulpräsident. „Letztendlich hängt die Qualität in der Lehre ganz entscheidend davon ab, wie viele Studierende eine Professorin bzw. ein Professor zu betreuen hat.“

Auch Auswirkungen auf die Region

Zweites großes Thema des Abends war die Finanzierung der Angewandten Forschung. „Die Hochschulen sind wichtige Akteure in ihren Regionen. Sie sind Treiber technologischer, ökonomischer und sozialer Innovationen“, betonte Khakzar in seiner Einführung und machte die Herausforderung deutlich: „Die Forschung ist eine gesetzliche Aufgabe der HAWs, doch ihre Finanzierung ist maßgeblich abhängig von Projektmitteln“, so der Präsident. Das führe dazu, dass sich der Aufbau eines akademischen Mittelbaus äußerst schwierig gestalte. Dieser Mittelbau sei aber notwendig, um wissenschaftliche Themen längerfristig zu verfolgen und ein verlässlicher Partner für Unternehmen und Organisationen in der Region zu sein. Die Entwicklungsperspektiven der Hochschule in der Forschung hätten damit auch Rückwirkungen auf die Region. „Wir brauchen eine dauerhafte und verlässliche Finanzierung der Angewandten Forschung, damit die HAWs ihre gesetzliche Aufgabe erfüllen und in ihrer Region als Innovationsmotor wirken können“, fordert er daher.

Mehrheit für Ausbau der HAWs

Viele der von Khakzar angesprochenen Themen und Forderungen der HAWs wurden von den Gästen auf dem Podium aufgenommen bzw. geteilt. Einig waren sich alle darin, dass die HAWs von großer Bedeutung für die jeweiligen Regionen sind. Dies gilt für die Lehre, aber insbesondere auch für den Wissenstransfer und die angewandte Forschung. Mehrheitlich wird ein weiterer Ausbau der HAWs mit ihrem sehr praxisorientierten Lehrangebot gefordert. Unstrittig ist auch, dass die Rahmenbedingungen für die angewandte Forschung an HAWs verbessert werden müssen und das Promotionsrecht für forschungsstarke Fachrichtungen beibehalten werden soll.

Im Anschluss an die Diskussion nutzte das Publikum die Gelegenheit, spezifische Fragen an die Politikerinnen und Politiker zu stellen.

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