Begriffsdefinitionen

„Bottom-up“-Ansatz

Grundprinzip des „Bottom-up"-Ansatzes (von unten nach oben) ist die Übertragung von Verantwortung auf die Zielgruppe und damit das Empowerment (siehe Begriffsdefinition) der Zielgruppe. So richtet sich die Identifikation und die Reihenfolge der Bearbeitung der Themenfelder, die zunächst aufgegriffen werden, nach deren Relevanz für die Zielgruppe. Ein "Bottom-up"-Ansatz wird häufig in Kombination mit dem "Top-down"-Ansatz (von oben nach unten) kombiniert (Laverack 2008).


Literaturquelle:

Laverack (2008): Berücksichtigung des Empowerments in der Programmplanung von Gesundheitsförderung. Gesundheitswesen 2008; 70(12):736-741. Georg Thieme Verlag KG Stuttgart - New York, https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0028-1103259, Zugriff: 21.11.2016.

Empowerment

Empowerment ist ein Begriff, der aus dem Bereich der Psychologie und Sozialpädagogik stammt und mit „Selbstbemächtigung“ oder „Selbstkompetenz“ übersetzt werden kann (BMZ 2010 - 2016). Das Ziel ist das Entwickeln und Verbessern der Fähigkeit, die soziale Lebenswelt und das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten (Brandes & Stark 2016). Empowerment beinhaltet dabei Strategien und Maßnahmen, die hilfreich bei der Umsetzung eines selbstbestimmten Lebens sind (BMZ 2010 - 2016). Laut Brandes & Stark (2016) sind die Förderung von Partizipation (Teilhabe) und die Gemeinschaftsbildung wesentliche Strategien des Empowermentprozesses. Die Aufgabe von Fachkräften der Gesundheitsförderung ist es, Voraussetzungen für ein Empowerment der Betroffenen zu schaffen, um so eine eigenverantwortliche und selbstbestimmte Lebensführung zu ermöglichen (Brandes & Stark 2016).


Literaturquellen:

Brandes & Stark (2016): Empowerment/Befähigung, http://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/empowerment-befaehigung/, Zugriff: 01.11.2016.

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) (2010-2016): Empowerment, https://www.bmz.de/de/service/glossar/E/empowerment.html, Zugriff: 01.11.2016.

Partizipation

Der Begriff Partizipation ist auf das lateinische Wort „particeps“ („teilnehmend“) zurückzuführen und bedeutet „Beteiligung“, „Teilhabe“, „Mitwirkung“ sowie „Einbeziehung“ (BMZ 2010-2016). Partizipation beinhaltet die aktive Mitgestaltung von Bürgerinnen und Bürger sowie Mitglieder einer Organisation, einer Gruppe oder eines Vereines bei der Bewältigung gemeinsamer Anliegen (Schubert und Klein 2016). In der Entwicklungszusammenarbeit trägt Partizipation dazu bei, dass die Zielgruppen sowie die Partnerorganisationen ihre Interessen darlegen und verwirklichen und ihre Erfahrungen und Wertvorstellung in die gemeinsame Arbeit integrieren können (BMZ 2010-2016).


Literaturquellen:

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) (2010-2016): Partizipation, https://www.bmz.de/de/service/glossar/P/partizipation.html, Zugriff: 01.11.2016.

Schubert und Klein (2016): Das Politiklexikon. 6., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2016. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/17998/partizipation, Zugriff: 01.11.2016.

Public Health Action Cycle

Bei dem Public Health Action Cycle handelt es sich um die Übertragung und Weiterentwicklung des aus der Politikwissenschaft bekannten Policy Cycle auf gesundheitspolitische Prozesse und Projekte. Er kann auf alle Ebenen des nichtspontanen Handelns als individuelles Handlungsprogramm, für die Strukturierung einer Maßnahme oder das Durchsetzen von Voraussetzungen gesundheitspolitischer Programme auf Mikro-, Meso-, und Makro-Ebene angewendet werden. Die Maßnahmenentwicklung wird dabei in vier Phasen gegliedert (Abb. 1):

Abb.1: Gesundheitspolitischer Aktionszyklus
  • Phase 1 (Problembestimmung)
  • Phase 2 (Strategieformulierung)
  • Phase 3 (Umsetzung)
  • Phase 4 (Bewertung)

Der Public Health Action Cycle erfüllt wichtige Funktionen für die Praxis und die Forschung, indem durch den Vergleich unterschiedlicher Antwortmöglichkeiten auf die durch das Modell hervorgerufenen Leitfragen verschiedene Muster der Problembearbeitung festgestellt, verglichen, analysiert sowie bewertet werden können. Darüber hinaus liegt die große didaktische Bedeutung dieses Modells in der nachdrücklichen Betonung der Vorteile und Notwendigkeit der Planung sowie Systematik gesundheitsbezogener und gesundheitspolitischer Aktionen (Rosenbrock und Hartung 2015).


Literaturquellen:

Rosenbrock und Hartung (2015): Public Health Action Cycle / Gesundheitspolitischer Aktionszyklus, http://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/public-health-action-cycle-gesundheitspolitischer-aktionszyklus/, Zugriff: 02.11.2016.

Settingansatz

Seit der sogenannten Ottawa-Gesundheitscharta der World Health Organization (WHO) von 1986 gilt der Settingansatz als Kernstrategie der Gesundheitsförderung, wobei unter Setting ein Sozialzusammenhang verstanden wird, in welchem sich Menschen in ihrem Alltag aufhalten und welcher Einfluss auf deren Gesundheit ausübt (Hartmann und Sonntag 2015). Dieser Zusammenhang wird ausgedrückt durch eine formale Organisation, eine regionale Situation, eine gleiche Lebenslage, gemeinsame Werte oder Präferenzen sowie durch eine Kombination der genannten Merkmale (Hartung und Rosenbrock 2015). Die Vernetzung stellt das zentrale Handlungsprinzip des Settingansatzes dar. Abgesehen von Regionen, Städten, Schulen und Krankenhäusern wurden im Jahr 1997 auch die Hochschulen offiziell von der WHO im Rahmen des Healthy Project als Setting der Gesundheitsförderung deklariert (Hartmann und Sonntag 2015).


Literaturquellen:

Hartmann und Sonntag (2015): Gesundheitsförderung und Hochschule, http://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/gesundheitsfoerderung-und-hochschule/, Zugriff: 02.11.2016.

Hartung und Rosenbrock (2015): Settingansatz/Lebensweltansatz, http://www.leitbegriffe.bzga.de/alphabetisches-verzeichnis/settingansatz-lebensweltansatz/, Zugriff: 01.11.2016.

„Top-down“- Ansatz

Bei dem „Top-down“-Ansatz (von oben nach unten) handelt es sich um einen Ansatz, bei dem das Ziel einer Maßnahme, beispielsweise die Steigerung der physischen Aktivität, durch vorgesetzte Strukturen und Autoritäten festgesetzt (top) und an die Zielgruppe weitergeleitet wird (down). Dieser Ansatz ist gekennzeichnet durch hierarchische Strukturen, bei denen die Programmleitung üblicherweise über die finanziellen Mittel und Ressourcen des Programms verfügt. Ziel des „Top-down“-Ansatzes ist die Prävention von Krankheiten. Als wichtigste Ergebnisse dieses Ansatzes gelten Verbesserungen des gesundheitsbewussten Verhaltens oder biomedizinischer Parameter. Eine Befähigung (Empowerment) der Zielgruppe ist ausschließlich Mittel zum Zweck der gesundheitsbezogenen Verhaltensänderung. „Top-down“-Ansätze gehören zu der vorherrschenden Vorgehensweise bei Programmen der Gesundheitsförderung. Fast alle Maßnahmen der Gesundheitsaufklärung und –erziehung sowie Interventionen im Bereich des individuellen Lebensstils und gesundheitsbezogenen Verhaltens sind Bestandteil „Top-down“-orientierter Programme (Laverack 2008).


Literaturquelle:

Laverack (2008): Berücksichtigung des Empowerments in der Programmplanung von Gesundheitsförderung. Gesundheitswesen 2008; 70(12):736-741. Georg Thieme Verlag KG Stuttgart - New York, https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0028-1103259, Zugriff: 21.11.2016.

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